Beim Qualitätszirkel am 10. März feierten die Mitglieder dieses Jubiläum und dankten zugleich seinem Ehrenmitglied, dem Münchner Sigurd Kessler, Professor für Chirurgie: „Er hat uns immer wieder bestärkt. Dank seiner Argumentations- und auch Motivationskraft haben wir so manche Durststrecke überwunden“, so Arthur Grünerbel, der erste Vorsitzende. Schon immer wirkten beim Fußnetz Bayern Impulse aus allen beteiligten Fachgruppen. Das dient beim neuesten Projekt, dem telemedizinischen Dermakonsil/DFS-Konsil, auch den rein hausärztlichen Praktikern.
Lässt sich das Diabetische Fußsyndrom (DFS) heilen? Kessler tritt bei dieser Frage einen Schritt zurück und fordert eine veränderte Begrifflichkeit. Trenne man das angiopathische vom neuropathischen Fußsyndrom schon bei der Diagnose mit größerer Klarheit, so führe das mit Blick auf Durchblutung und Druckentlastung zu Optionen, die tatsächlich zur Heilung führen können. Weiter fordert er, sich mehr auf die Heilung von Infekten zu fokussieren. Kessler hat sich in und außerhalb von Gremien dafür engagiert, die Versorgung von Menschen mit DFS zu verbessern und die Amputationsrate zu senken. Daraus entstanden wichtige Netzwerke, wissenschaftliche Arbeiten und schließlich auch sein Fachbuch zur interdisziplinären Behandlung des Diabetischen Fußes aus dem Jahr 2022.
Die Triebfeder, fachfremde Kompetenzen schnellstmöglich für die Behandlung einzusetzen, wirkt weiter. So gehört es für die Internisten und Diabetologen im Fußnetz Bayern zum Standard, bei Angiologen behandlungsbedürftige Stenosen abklären zu lassen oder die Expertise von auf Diabetes spezialisierten Fußchirurgen heranzuziehen, beispielsweise für druckentlastende Eingriffe. Podologinnen und Podologen können ebenso wie Pflegende schon vor Wundbildung auf die ärztlichen Kompetenzen im Netzwerk zugreifen. Orthopädieschuhmacher wiederum schätzen die strukturierte Abstimmung, mit der sich verhängnisvolle Verzögerungen bei Diagnostik und Therapie aushebeln lassen.
Mit neuem Konsil für die Hausarztpraxis
All das steht mit dem neuen telemedizinischen Dermakonsil/DFS-Konsil jetzt auch bei der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) eingeschriebenen Hausärzten in Bayern zur Verfügung. Sie können nun innerhalb von zwei bis drei Tagen sicher verschlüsselt und ortsunabhängig eine fachärztliche Einschätzung einholen, aktuell für BKK-Versicherte. Der Prozess wird zentral auf einem Internetportal organisiert, dokumentiert und abgerechnet.
Fußnetz Bayern in Kürze
Das Fußnetz Bayern mit seinen knapp 180 Mitgliedern versammelt bislang in erster Linie die Ärzteschaft aus den Bereichen Diabetologie und Innere Medizin, daneben aus Angiologie sowie aus Gefäß- und Fußchirurgie und Orthopädie. Die Behandler sind als Facharzt oder Fachärztin niedergelassen in Praxen tätig ebenso wie in Kliniken und MVZ. Der bislang überwiegende Teil behandelt in einem zertifizierten Diabeteszentrum oder Diabetologischen Schwerpunktpraxis mit Fußambulanz. Besonders in den Fußambulanzen können Wundmanager, Orthopädieschuhtechniker und Podologen nötige Behandlungsschritte direkt mit umsetzen. Darüber hinaus sind Mitglieder mit eigenen Praxen und Betrieben aus der Podologie, ambulanten Pflege und Wundversorgung eingebunden.