Jürgen Albrecht ist 69 Jahre alt und Rentner. Mit Übergewicht und Diabetes wurde er von der Hausärztin Helena Zielinski an den Gesundheitskiosk in Billstedt verwiesen. Nach sechs Monaten Beratung gelang es ihm, mehr als 20 Kilogramm abzunehmen und seine Blutzuckerwerte zu stabilisieren, teilt die Gesundheit für Billstedt/Horn UG mit. „Mir hat die Begleitung durch den Gesundheitskiosk einfach einen neuen inneren Antrieb gegeben, eine neue Lebensqualität“, sagt Jürgen Albrecht.
Andrea Husmann, Leiterin des Gesundheitskiosks, sagt: „Durch unsere regelmäßige Beratung werden vermeidbare Krankenhauseinweisungen gerade bei Menschen mit einer Diabetes-Typ-2-Erkrankung vermieden, da eine Hypo- und Hyperglykämie so aktiv verhindert werden kann.“ Das Krankheitsverständnis der Patienten werde geschärft. Die multiprofessionelle und präventive Versorgung verbessere die Gesundheit langfristig.
Bis heute wurden nach eigenen Angaben 4.000 Patientinnen und Patienten im Gesundheitskiosk begleitet. Das multilinguale und multiprofessionelle Team vermittelt Gesundheitswissen, stärkt die Gesundheitskompetenz und gibt Orientierung in der Versorgung vor Ort. Dies belegt auch die Studie des Hamburg Center für Health Economics HCHE: Die stärkere Vernetzung der medizinischen und sozialen Versorgung sowie ein niedrigschwelligeres Gesundheitsangebot verbessern demnach die Versorgung der Menschen in Hamburg-Billstedt und Horn.
So haben die Versicherten in Billstedt und Horn im Vergleich zu anderen Stadtteilen in Hamburg die ambulante Versorgung knapp zweimal mehr pro Jahr in Anspruch genommen, während gleichzeitig die Zahl der vermeidbaren Krankenhauseinweisungen (ASKs) signifikant um knapp 19 Prozent gesunken ist. Parallel dazu stieg nach Angaben des HCHE auch die Zufriedenheit der Versicherten mit der Gesundheitsversorgung in Billstedt und Horn deutlich.
Ärzte fühlen sich entlastet
Die Ärzte fühlten sich durch den Gesundheitskiosk ebenfalls entlastet. Dr. Gerd Fass ist Vorsitzender des Ärztenetz Billstedt-Horn. „Die enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitskiosk erleichtert unsere Arbeit sehr, weil wir unsere vulnerablen Patientinnen und Patienten dort gut versorgt wissen.“ Die Ärzte hätten mehr Zeit für andere Patienten. 80 Prozent könnten in den Gesundheitskiosk überwiesen werden. „Dies ist für uns eine sehr beruhigende Situation.”
Die Etablierung eines regionalen Netzwerks habe wesentlich zur erfolgreichen Umsetzung des Projektes beigetragen.
Eine bedeutende Rolle nimmt dabei das Bildungs- und Gesundheitsnetzwerk (Billenetz) ein, in dem mehr als 100 soziale Einrichtungen zusammengeschlossen sind. Billenetz-Sprecherin Bettina Rosenbusch: „Wir erleben täglich, wie sehr der Gesundheitskiosk die Vernetzung zwischen medizinischer und sozialer Versorgung stärkt, weil er die sozialen Einrichtungen aktiv in die Versorgung der Menschen im Stadtteil einbezieht.“
Aktuell gilt für Billstedt/Horn seit dem 1.1.2020 ein Selektivvertrag nach § 140a SGB V mit der AOK Rheinland-Hamburg, der DAK Gesundheit, der Barmer, der Techniker Krankenkasse sowie der Mobil Krankenkasse, so dass ca. 80% der Bewohner die Leistungen in Anspruch nehmen können.
Der Gesundheitskiosk Billstedt/Horn
Mehr als 4.000 Versicherte nehmen regelmäßig die Beratungsangebote des Gesundheitskiosks in Anspruch, insgesamt wurden mehr als 12.000 Beratungen durchgeführt. Die Leistungen und Maßnahmen im Gesundheitskiosk umfassen z. B. Themen wie:
- Prävention und Ernährung, Vor- und Nachbereitung von Arztgesprächen insb. zur
- Schärfung des Krankheitsverständnisses für Diagnose, Therapie und Compliance,
- die Medikamentenanamnese,
- die transparente Aufklärung, die Erarbeitung von persönlichen Zielen und Versorgungsplänen,
- die Unterstützung beim Verstehen und Ausfüllen von Formularen (z. B. Einschreibung in Versorgungsprogramme, Pflege- und Rehaanträge),
- Weiterleitung an Ärztinnen und Ärzte oder an Hilfseinrichtungen im Sozialraum
- die Übernahme eines Case-Managements.