„Es ist ein Mythos, dass wir alles ablehnen“, sagte Frank Lätsch, Bereichsleiter Heil- & Hilfsmittel, Selektivverträge und Prävention bei der DAK-Gesundheit, in seinem Vortrag auf der Rehacare. 96 Prozent der Hilfsmittelversorgungen würden genehmigt.
Diese Aussage ließen die Teilnehmenden an der anschließenden Diskussion nicht unkommentiert stehen. So stelle sich die Frage, welche Versorgungen in den 96 Prozent enthalten seien. Gehstöcke oder Einlagen seien unproblematisch, merkte Dr. Carmen Lechleuthner an. Die Ärztin und Mutter eines schwerstbehinderten Sohnes verwies auf die komplexen Individualversorgungen, die immer wieder abgelehnt würden. Sie sei zudem „irritiert“ über den „extremen Aufwand“, den die Krankenkassen in den vergleichsweise marginalen Ausgabenblock für Kinder-Reha steckten. „Wir reden auch nicht über die Kosten von Chemotherapien.“
Frank Lätsch verwies auf die Notwendigkeit entsprechender Begründungen in den Hilfsmittelversorgungs-Anträgen. „Wir brauchen mehr Informationen zum Hintergrund. Hier hilft uns der Dialog.“ Nicht immer brauche es neue Produkte. Nach einer fachlichen Umrüstung lasse sich auch manches Hilfsmittel weiterverwenden.
RA Anna Mehlmann bezweifelt, ob zusätzliche Informationen den gewünschten Zweck erfüllen. Sie kenne Mandaten, die sich „die Finger wundschreiben“. Aber in den Ablehnungen beantragter Hilfsmittelversorgungen werden nicht mit einem Wort auf ihre Argumente eingegangen. Zudem verstehe sie nicht, dass aktuell auch Folgeversorgungen abgelehnt würden.
Gleichzeitig gehe es um einen Vertrauensvorschuss. Die Ärzte und Betreuer in den Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) würden Kinder seit Jahren kennen, spielte Dr. Carmen Lechleuthner auf die aus Sicht der Betroffenen schleppende Umsetzung der neuen §33 Absatz 5c SGB V (beschleunigte Genehmigung von Hilfsmittelverordnungen aus den SPZ/ MZEB, Anm. d. Red.) an. Rehakind-Geschäftsführerin Christiana Hennemann spricht daher auch lieber von einem „Kompetenzvorschuss“, der den Mitarbeitenden in SPZ/ MZEB gegeben werden müsse.
Sanitätsfachhändlerin Rita Becher berichtete zudem von ihren Erfahrungen im Widerspruchsausschuss einer Krankenkasse. Dort gehe es vor allem um Hörhilfen-Anträge, die aus ihrer Sicht teilweise auch berechtigt von den Kostenträgern abgelehnt würden. Kinderhilfsmittel spielten dagegen nur eine geringe Rolle.