Welches spezielle kaufmännische Wissen benötige ich, um einen Orthopädieschuhtechnik-Betrieb erfolgreich führen zu können? Wie baue ich Netzwerke auf? Das waren zwei Schwerpunkte beim 5. Junioren-Forum des IETEC Partner-Verbunds. 15 Nachwuchskräfte bildeten sich bei dem Austausch am 20. und 21. Mai in Fulda fort – die bis jetzt höchste Teilnehmerzahl.
"Die betriebswirtschaftliche Führung eines Unternehmens und der Aufbau eines Netzwerkes sind Themen, die in der Berufs- und der Meisterschule nicht schwerpunktmäßig gelehrt werden, künftig aber immer wichtiger werden", sagt Anton Bittler. Der Unternehmensberater aus Schöneck organisierte und leitete das zweitägige Forum mit dem Diplom-Sozialpädagogen und Coach Reinhard Hinz. "Das Junioren-Forum deckt diese Lücken ab. Es macht die Nachwuchskräfte fit für den Markt, damit sie den komplexer werdenden Anforderungen gerecht werden."
Einige Teilnehmer im Alter zwischen 17 und 35 Jahren befinden sich kurz vor oder in der Ausbildung, andere stehen als Meister vor der Übernahme des eigenen Betriebs. Sechs Nachwuchskräfte nahmen erstmals an dem jährlichen Forum teil. Dass mit 15 Junioren ein Teilnehmerrekord aufgestellt wurde, führt Hinz auch darauf zurück, dass es in den nächsten drei, vier Jahren altersbedingt in vielen Betrieben einen Umbruch geben wird. "Der Nachwuchs steht vor der Tür. Er ist jung, fit, interessiert, motiviert und hat richtig Drive und Speed", erklärt der Fuldaer Coach.
BWL: Mehr als Belege sammeln
"Betriebswirtschaftliches Vorgehen ist mehr als das Spielen mit Zahlen, mehr als das Sammeln von Belegen für den Steuerberater", betonte Bittler. Das konkrete Umsetzen von BWL-Wissen in Firmenabläufe sei entscheidend. Der Unternehmensberater konnte den Junioren zum Beispiel dank seiner jahrelangen Tätigkeit genau sagen, wie viel Umsatz ein Geselle erwirtschaften muss, um einen Betrieb gewinnbringend führen zu können. "Künftig wird der Unternehmer noch mehr gefragt sein."
Dabei brauche man gute Partner, hob Hinz hervor: "Das Berufsbild verändert sich. Ärzte, Patienten und Krankenkassen werden mehr Qualität fordern." Orthopädieschuhtechniker werden sich aufgrund der gesundheitspolitischen Entwicklungen mehr gegenüber der Konkurrenz profilieren müssen. "Es wird nicht mehr reichen, ein Produkt abzuliefern", verdeutlichte Hinz. "Patienten werden Weiterempfehlungen zu Physiotherapeuten oder operierenden Ärzten erwarten. Das alles geht nicht im Alleingang, sondern nur mit einem strategisch, über Jahre in Fleißarbeit aufgebauten Netzwerk."
Netzwerkaufbau
"Der Netzwerkaufbau kann eines der Hauptbetätigungsfelder sein, mit dem sich die Junioren in elterlichen Betrieben einbringen können", erklärt Bittler. Orthopädieschuhtechniker sollten sich nicht nur als Handwerker, sondern auch als Kommunikatoren verstehen. Das gilt laut Teilnehmer Michael Kramp auch bei Gesprächen mit Ärzten. Dabei könnten solche Dialoge durchaus auf Augenhöhe geführt werden. "Ärzte schätzen es, wenn ihre Patienten schon beim ersten Mal komplikationslos versorgt sind", sagt der Student der Technischen Orthopädie. "Als kompetente Partner können wir Ärzten viel Arbeit abnehmen."