Gesundheit gehört zu den Themen, die junge Wählerinnen und Wähler am meisten bewegen – und zwar (fast) unabhängig vom Bildungsstatus. Dies ist ein Kernergebnis zweier repräsentativer Umfragen, welche die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC Deutschland im Sommer 2020 und im Januar 2021 unter 16- bis 35-Jährigen durchgeführt hat. Die erste Umfrage fokussierte auf Wahrnehmung der politischen Kommunikation der Parteien, die zweite konzentrierte sich auf die Inhalte, die die jüngere Generation besonders interessieren.
In der zeitlich früheren Befragung mit dem Schwerpunkt Kommunikation gaben 42 Prozent der Befragten an, sich regelmäßig über Gesundheitsthemen zu informieren. Damit kam dieser Aspekt auf den dritten Rang der Top-Themen nach Umwelt und Klima (52 Prozent) sowie Schule, Ausbildung und Hochschule (45 Prozent). Das Interesse an Gesundheitsthemen gilt weitgehend unabhängig vom Bildungsstatus. Nur bei jungen Menschen, die (noch) ohne Bildungsabschluss sind, war das Interesse mit 25 Prozent deutlich geringer.
Prof. Dr. Rainer Bernnat, Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor bei PWC Deutschland, sagt: „Das Interesse junger Menschen an Gesundheit ist ein Querschnittsthema.“ Eklatant sei allerdings, dass die in vielen Untersuchungen belegten psychischen Folgen des Corona-Lockdowns insbesondere für die Jüngeren erst allmählich in den Blick der Politik gerieten. „Das Verpassen prägender Erlebnisse, oftmals beengte Wohnverhältnisse und so weiter haben bei vielen jungen Menschen Spuren hinterlassen. Umso erstaunlicher ist es, dass die Politik diese Gruppe selten direkt anspricht und glaubhaft erklärt, wie man sich um ihre Interessen kümmern möchte.“
Insgesamt mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Befragten fand, die Parteien sollten grundsätzlich stärker über das Thema Gesundheit informieren. Nach politischen Themen befragt, die sie besonders interessieren, sprachen sich rund acht von zehn Befragten für ein modernes, öffentliches Gesundheitssystem für alle aus. Bemerkenswert: 72 Prozent sind bereit, ihre Gesundheitsdaten digital zur Verfügung zu stellen, um schneller bzw. gezielter behandelt zu werden. Dr. Wolfang Zink, Partner im Bereich Öffentlicher Sektor bei PwC Deutschland, betont: „Die Akzeptanz von, aber auch das Bedürfnis nach mehr Digitalisierung im Gesundheitssektor ist bei den Jüngeren groß. Sie zeigen damit, wohin die Reise im Gesundheitssektor geht.“