Nach der Premiere im vergangenen Jahr veranstaltete die Juzo Akademie unter dem Motto „Medicine meets Golf and Tennis“ in Kooperation mit Sportmed-Pro Germany das zweite interaktive Fortbildungswochenende in München-Unterschleißheim. Fachvorträge aus der Sportmedizin und Rehabilitation informierten über aktuelle Gegebenheiten rund um die Sportarten Golf und Tennis. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den interdisziplinären Austausch zwischen Ärzten, Therapeuten, Sportwissenschaftlern sowie verschiedenen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der medizinischen Versorgung. GP fasst ausgewählte Aspekte zusammen.
Das Problem Rundrücken
Über Fehlerquellen beim Golfschwung klärte Richard Nömeier, Head-Instructor der EA GPT & GMT, auf. Durch häufig zu kurze Schläger in Verbindung mit dem beim Breitensportler häufigen Rundrücken aufgrund verkürzter Sehnen haben viele Spieler einen zu stark gebeugten Oberkörper. Wichtig sei für die Ansprechposition ein nicht zu hoher Muskeltonus. Bei der Gewichtsverlagerung sei es falsch, den Kopf still und unten zu halten, der Kopf solle sich in die Waagrechte bewegen. Kinder sollten auf keinen Fall mit den häufig zu schweren und zu langen Schlägern der Eltern trainieren.
Sieben Säulen der Gesundheit
Dr. med. Alfred Lohninger lenkte den Blick auf Bewusstes und Unbewusstes, das autonome Nervensystem, Hormone, Neurotransmitter, Mikrobiome, Haltung und Bindegewebe. All dies seien wichtige Hebel für den Auftritt auf dem Platz. Mit den sieben Säulen der Gesundheit – Ernährung, Bewegung, Schlafen, Atmen, Rhythmus, Beziehung und Humor – könne man darauf Einfluss nehmen.
Einflussfaktor Sportzahnmedizin
Dass die Sportzahnmedizin einen nicht unerheblichen Beitrag vor allem im Leistungssport leisten kann, zeigte Dr. med. dent. Alexander Grau mit seinem Vortrag über Aufbissschienen. Sie werden zur Leistungssteigerung und Regeneration eingesetzt. Kiefergelenksfunktion, Biss, Kopf- und Körperhaltung, Faszien, Muskeln und Halswirbelsäule hängen zusammen und können Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben. Störfaktoren des Systems wie Zähnepressen oder -knirschen können zum Beispiel durch physischen und psychischen Stress ausgelöst werden. Ein kombinierter Einsatz von Schienen für die Schlafphase und manueller Therapie harmonisiere die Okklusion, schütze die Strukturen des Kiefergelenks und verbessere die Regeneration. Das feste Zubeißen mit Schienen zur Leistungssteigerung sorge durch den Spannungsaufbau für einen geschlossenen Kraftkreislauf und erhöhe die periphere Muskelaktivität und Gelenkstabilität.
Sprunggelenk und Tennis
Sprunggelenksverletzungen seien die häufigste Sportverletzung, berichteten Prof. Dr. med. Oliver Tobolski und Ex-Tennisprofi Marc-Kevin Goellner. Zehn bis 40% litten danach unter eine chronische OSG-Instabilität, die mit Bandagen therapiert werden könne. Der Soforttherapie am Unfallort nach dem RICE-Schema (Rest, Ice, Compression, Elevation) komme große Bedeutung zu. Die funktionelle Nachbehandlung in OSG-Orthesen sei meist effektiver als Immobilisation. Zur Prävention wurde unter anderem auf Bandagen wie die von Sportomedix verwiesen.
Myoreflex/Myohydro-Therapie
Markus Rachl erläuterte die Myoreflex-Therapie (im Wasser Myohydro-Therapie). Dabei würden mit den Händen Spannungen in der Muskulatur ertastet und per Fingerdruck gelöst. Das MyoBoard2go solle am ganzen Körper die Muskelspannung und Faszien-Verklebung lösen können, um Schmerzen selbst zu behandeln. Behandlung, Training und Eigenbehandlung sollten die muskuläre Ruhespannung absenken.
Kryotherapie/Kältetherapie in der Regeneration
Thomas Kopp, Artur Frank und Mischa Zverev berichteten darüber, wie Kryotherapie/Kältetherapie in der Regeneration eingesetzt werden könne. Bei viel Sport brauche man auch viel Regeneration, mental und körperlich. Das werde aber immer noch vernachlässigt. Man investiere häufig zu viel in hochwertiges Material statt in den Menschen. Kälte verlangsame Stoffwechselprozesse, sorge für Muskel-Entspannung und Schmerzlinderung und habe eine antientzündliche Wirkung. Generelle Anwendungsbereiche seien u.a. Gewichtsreduktion, Immunstärkung, Multiple Sklerose, Allergien, Polyneuropathie.