„Das Geschäftsführerteam besteht nun aus Ulrich Halbleib, der 25 Jahre Erfahrung in der Geschäftsführung mit sich bringt, und mir, dem jüngeren, der neue Ideen einbringt. Das ist meiner Meinung nach eine sehr gute Kombination.“ So fasst der neu ernannte Geschäftsführer des Sanitätshauses Keil, Pascal Sickau, die Situation im osthessischen Fulda zusammen. Sickau ist vor sechs Jahren bei Keil gestartet. Nachdem er seinen Meister absolviert hatte, war ihm nach einer kurzen Übergangszeit jedoch schnell klar, dass er mehr Verantwortung übernehmen möchte. „Als Geschäftsführer sind ganz viele neue Aufgaben auf mich zugekommen. Die Organisation des Unternehmens und die Selbstorganisation haben für mich einen gleichberechtigten Stellenwert, das eine kann nicht ohne das andere funktionieren.“
Um das Unternehmen in Zukunft effizienter aufzustellen, geht es zunächst um die Skalierbarkeit von Prozessen. „Aktuell liegt der Fokus auf der Veränderung interner Strukturen, damit wir für die Zukunft gut gerüstet sind“, so Sickau im Gespräch mit GesundheitsProfi. Dabei führt er aus: „Mir ist es besonders wichtig, dass wir in der Basis ein einwandfrei funktionierendes System haben und dass unsere Organisation gut aufgestellt ist. Wir werden unsere Prozesse hier und dort verschlanken, um effizienter arbeiten zu können und das System skalierbar zu machen“.
Dazu gehört für ihn auch, einen prüfenden Blick auf das eigene Sortiment zu werfen. Denn in der Vergangenheit, das gibt er zu, sei besonders im Bereich der Schachtelorthopädie nicht immer alles nach logischen Kriterien eingekauft worden. „Wir werden unser Produktsortiment überdenken. In der Vergangenheit haben wir immer ein bisschen nach Gefühl eingekauft. Mit einer Sortimentsumstellung werden wir einerseits Kosten sparen und andererseits hochwertigere Produkte anbieten können.“ Damit sollen vor allem auch die Mitarbeitenden entlastet werden. Denn für Pascal Sickau ist klar: „Unser Fokus liegt auf unserem Personal. Das Personal ist unser Kapital und somit das Wichtigste, was wir haben.“
Gute Ausbildung als Mittel gegen den Fachkräftemangel Um die eigenen Mitarbeitenden zu halten, setzt das Sanitätshaus Keil auf regelmäßige Schulungen und neue Ansätze, die den Arbeitsalltag erleichtern sollen. Einer dieser neuen Ansätze ist eine Mitarbeitenden-App, die im Alltag unterstützen soll. Die App befindet sich zwar aktuell noch in der Entwicklung, die Erwartungen sind jedoch hoch: „Wir werden zukünftig mit einer eigens entwickelten App arbeiten, die unserem Personal einen besseren Überblick über die Hilfsmittel bieten soll. Nicht jede Person war auf der Meisterschule. Wir möchten unseren Mitarbeitenden damit helfen, fachlich noch besser zu werden.“
Für Pascal Sickau beginnt das bereits bei der Qualität der Ausbildung. Sickau sagt: „Der Fachkräftemangel betrifft uns zurzeit nicht. Es bewerben sich regelmäßig Bewerber bei uns, die wir zu unseren Fachkräften heranziehen.“ Ihm liegt besonders am Herzen, dass die Auszubildenden umfassend geschult sind, damit die Grundlagen stimmen. „Bei uns lernen die Auszubildenden in der Orthopädietechnik noch das Handwerk von Grund auf. Aber wir benutzen auch neue Technologien, um modern aufgestellt zu sein.“
Ein Herz für die Prothetik
Als Ottobock-Partner kümmert sich die Prothetik-Abteilung des Betriebs auch um schwierige Versorgungen, die höchstes technisches Verständnis und Know-how voraussetzen. „Als zertifizierter Genium-X-Partner von Ottobock können wir unseren Kundinnen und Kunden State-of-the-Art-Prothesen bieten. Dabei scheuen wir keine Herausforderungen. Erst kürzlich haben wir eine Oberarmprothese mit elektrischem Ellenbogen und Hand versorgt“, erzählt Pascal Sickau. Dabei spielt auch hier die Weiterbildung eine große Rolle: „Wir arbeiten stetig daran, uns für die neuesten Passteile qualifizieren zu lassen.“ Zudem setzt das Unternehmen auf Prepreg als neue Herstellungsmethode, die die Herstellung extrem leichter Hilfsmittel ermöglicht. Für Pascal Sickau ist dies „eine tolle Neuerung in unserer Verfahrenstechnik“. Dem Trend, als Sanitätshaus in die additive Fertigung einzusteigen, steht er hingegen skeptisch gegenüber. „Die additive Fertigung sehen wir aktuell eher kritisch. Es erfordert viel Zeit und Arbeit, im eigenen Unternehmen auf hohem Niveau drucken zu können. Deshalb geben wir unsere Drucksachen aktuell noch an externe Dienstleister.“ Nichtsdestotrotz böten gerade die Scan-Technologien neue Möglichkeiten für den Schaftbau, insbesondere wenn es darum geht, Stümpfe zu vermessen.
Dem gelernten Orthopädietechnikmeister liegt gerade die Prothetik am Herzen: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt, den wir mit seinem Problem ganzheitlich betrachten und so die bestmögliche Lösung für ihn finden können.“ Das ist in einem hochkomplexen Versorgungsbereich wie der Prothetik jedoch nicht immer einfach. Pascal Sickau weiß genau: „Eine Prothese ist immer eine individuelle Anpassung, die sehr komplex ist. Der Anwender merkt sofort jeden Dreh an der sprichwörtlichen Stellschraube.“ Man habe sich über die Jahre eine gute Reputation in der Region erarbeitet. Schließlich gibt es das Sanitätshaus Keil bereits seit 76 Jahren. Besonders bei der Prothesenversorgung sei den Kunden bekannt, „dass sie bei uns ihre Probleme schnell und zuverlässig gelöst bekommen. Prothesen sind ein sehr sensibles und intimes Thema.“ Um die eigene Expertise in den verschiedenen Versorgungsbereichen weiter auszubauen, möchte Pascal Sickau in Zukunft unter anderem themenbezogene Patiententage anbieten, um die eigenen Netzwerke auf- und auszubauen.
Durch gezielten Netzwerkaufbau und eine interne Straffung der Prozesse ist das Unternehmen gut für eine Zukunft aufgestellt, die viele Veränderungen mit sich bringen wird. „Es gibt aktuell genügend Herausforderungen für die Branche, etwa das E-Rezept oder wie sich die MDR entwickeln wird, auf die man flexibel reagieren muss“, ist Pascal Sickau überzeugt. Für ihn ist zudem klar: „Wenn man gut ausgebildetes und zuverlässiges Personal hat, ist man auf jeden Fall gut für die Zukunft gewappnet.“