Für Profischwimmer Thomas Lurz ist Erfolg das Ergebnis von Selbstmotivation, Disziplin, einem starken Willen und dem Einsatz individueller Stärken. Beim 5. Bauerfeind-Sportforum Anfang Juni in Andalusien zog der Ausnahmeathlet Parallelen zwischen erfolgreichen Leistungssportlern und Unternehmern. Lurz war einer von insgesamt sechs Referenten, die in Spanien den mehr als 60 Sanitätshausinhabern und Orthopädie(schuh)technikern Impulse für das Geschäft gaben.
Die Bandbreite der Themen reichte über Netzwerkarbeit im Sport, Fußfehlstellungen, Einlagenversorgung und Messtechnik bis hin zu Referaten über Schulter und Rücken. Zu den Referenten zählten unter anderem Prof. Dr. Gert-Peter Brüggemann von der Sporthochschule Köln und Prof. Dr. Stefan Grau von der Universität Tübingen. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen und die Referenten nach den Vorträgen ausführlich zu befragen.
Erfolgreich sein macht Spaß
Als Thomas Lurz aus seinem straff organisierten Alltag erzählte und wie er sich dafür motiviert, rief das bei den Zuhörern im Plenum teils ungläubiges Kopfschütteln hervor: Der 33-jährige Freiwasserschwimmer mit Spezialdisziplin zehn Kilometer Freistil trainiert zweimal täglich. Lediglich am Sonntag gönnt er sich eine Pause. Elf Mal in der Woche zieht der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2012 im Becken seine Bahnen. Er legt dann pro Einheit zwischen sieben und elf Kilometer schwimmend zurück. Das macht im Jahr rund 3.500 Kilometer. Dafür steht der erfolgreichste deutsche Schwimmer aller Zeiten täglich um 6.15 Uhr auf und versagt sich seit 13 Jahren einen Urlaub. „Wenn ich Olympiasieger werden will, kann ich Weihnachten nicht eine Woche frei machen. Wenn ich einen Hecht fangen will, hänge ich kein Maiskorn ran“, sagte der Hobby-Angler. Für ihn ist Erfolg kein Zufallsprodukt. Anscheinend ist Thomas Lurz, zehnfacher Weltmeister mit Fachhochschul-Abschluss als Diplom-Sozialpädagoge, ein Paradebeispiel an Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Disziplin. Er erklärte über seine Selbstmotivation: „Training macht keinen Spaß – aber erfolgreich zu sein schon!“ Den Sanitätshausinhabern und Orthopädie(schuh)technikern nannte der Würzburger als Erfolgsfaktoren harte Arbeit, kontinuierliches Training sowie Anpassungsfähigkeit und -bereitschaft. Außerdem, so der überragende Freiwasserschwimmer, dürfe es keine Ausreden, kein „wenn“ und „aber“ geben.
Lurz, beschäftigt bei einem Modeunternehmen, zog Parallelen zwischen der Arbeits- und Sportwelt und nannte als weitere wesentliche Voraussetzung für den Erfolg ein klares, anspruchsvolles Ziel: „Wer sich keine Ziele setzt, kann sich nicht motivieren. Wer nicht motiviert ist, kann nicht kontinuierlich im Training, im Wettkampf oder auf der Arbeit das Beste geben und an seine Grenzen gehen.“ Die Zuhörer stimmten mit Kopfnicken zu – und applaudierten Thomas Lurz anerkennend.
Ärztliche Betreuung bei Mainz 05
Über die Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus Frohnhäuser berichtete Dr. Patrick Ingelfinger, einer von drei Mannschaftsärzten beim Fußballbundesligisten 1. FSV Mainz 05. Nachdem das Sanitätshaus zunächst die U-23-Spieler versorgt hat, wurde die Partnerschaft in diesem Jahr auf die Mannschaft der ersten Bundesliga ausgeweitet. „Wunderheilung gibt es nicht. Wir können die Natur nicht überholen, wir können nur unterstützen“, betonte Dr. Ingelfinger. Er informierte über Bänderrisse sowie Muskel- und Sehnenverletzungen im Fußball und den erfolgreichen Einsatz von Bandagen, Orthesen sowie Kompressionsstrümpfen bei Mainz 05. Dabei hob der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie besonders das Expertenwissen der Orthopädie(schuh)techniker aus dem Hause Frohnhäuser hervor. Ingelfinger ermutigte die Zuhörer, mit ihrem Knowhow aktiv auf Sportvereine zuzugehen.
Schulter und Rücken
Theorie und Praxis verband Dr. Dr. Homayun Gharavi in seinen Vorträgen. Er referierte über die Schulter sowie darüber, wie Schmerzen im unteren Rücken gelindert werden können. Am letzten Tag bat der 44-Jährige das Plenum zu einem Sport-Workshop an den Strand. Dort gab der Fitness-Coach, der international in zahlreichen Spitzenverbänden als medizinischer Berater wirkt, Kostproben aus dem Landtraining von Olympioniken. Diese Erfahrung wollte sich niemand entgehen lassen. Die Teilnehmer des Sportforums waren allesamt zum Training erschienen, machten eine gute Figur bei den Übungen – und nahmen den von Gharavi vorsorglich angekündigten Muskelkater lächelnd in Kauf.