Nach Komplikationen infolge eines Knochenbruchs mit Einblutungen wurde Lara Wilkin im Oktober 2019 der linke Unterarm amputiert. Durch eine eng abgestimmte orthopädietechnische Versorgung, individualisiertes funktionelles Training und den passgenauen Aufbau moderner Prothesensysteme hat sie ihre Selbstständigkeit wiedererlangt. Ihre persönlichen Erfahrungen und technische Neugier wurden zum Startpunkt für aktive Aufklärungsarbeit, internationale Vernetzung und Forschung.
Schon im Vorfeld der Amputation hatte Lara Wilkin sich mit dem Versorgungsprozess auseinandergesetzt. Das Team der Orthopädie-Technik Münsterland und Armprothetik-Spezialist André Wohlatz haben das unterstützt. „Schon bei unserem ersten Treffen fühlte ich mich menschlich und fachlich sehr gut aufgehoben und verstanden“, sagt Lara Wilkin. André Wohlatz bringt langjährige Erfahrung in der Armprothetik mit und weiß um die Herausforderungen: „Arme und Hände gehören zum Gesichtsfeld. Diese Amputationen sind immer zu sehen und prägen das Erscheinungsbild eines Menschen. Umso wichtiger ist es, hier Einfühlungsvermögen zu haben.“
Peer-Support als fehlendes Bindeglied
Parallel zu ihrer Rehabilitation entwickelte Lara Wilkin den Wunsch, andere Betroffene strukturiert zu unterstützen. Zu oft hatte sie selbst den Mangel an unabhängiger Vernetzung und niedrigschwelligem Austausch erlebt. „Über den medizinischen Aspekt hinaus ist oft nicht klar, was eine Amputation tatsächlich bedeutet, welche Herausforderungen und Fragen zur Versorgung sich ergeben. Dabei ist der Weg in eine neue Normalität anstrengend, langwierig, selten geradlinig und oft mit Rückschlägen verbunden. Dafür braucht man viel Kraft und Unterstützung.“ Daher ließ sich Lara Wilkin zur Amputee Peer ausbilden und gründete 2021 die Arm Prosthesis Community. Was als lokale Initiative begann, hat sich zu einem internationalen Netzwerk entwickelt. Inzwischen leistete die Community in 27 Ländern Peer-Support, Austausch und Vernetzung für Menschen mit Amputation oder Fehlbildungen der oberen Extremitäten sowie für Angehörige und Fachpersonal.
Engagement auf fachlicher Ebene
Bereits vor ihrer internationalen Ausrichtung war Lara Wilkin in fachlichen Gremien, Verbänden und Austauschformaten tätig und wirkte in Versorgungs- und Peerstrukturen mit. Mit Blick auf ihre Erfahrungen ist für Lara Wilkin klar: Sie möchte moderne Orthopädietechnik differenziert darstellen, jenseits von Überhöhung oder Defizitnarrativen: „Technische Leistungsfähigkeit allein reicht nicht aus. Erst wenn eine Prothese als Teil des eigenen Körpers und Selbstbildes akzeptiert werden kann, entfaltet sie ihr eigentliches Potenzial. Dafür sollten Nutzer deutlich stärker in Entwicklungsprozesse einbezogen werden. Denn technische Innovation entsteht dort, wo reale Herausforderungen verstanden, kritisch hinterfragt und offen diskutiert werden. Konstruktive Rückmeldungen sind dabei ein zentraler Motor für Weiterentwicklung.“ Wilkins Einsatz für Aufklärung und Vernetzung ging stets einher mit der Neugier auf die technischen Aspekte der Prothetik. Um noch besser aufklären zu können, setzt sie dabei auf die eigene Weiterbildung, testet neue Prothesensysteme, und studierte schließlich Prothetik. Inzwischen promoviert sie mit Fokus auf Prothetik der oberen Extremitäten an der Medizinischen Universität Wien.
Gemeinsames Lernen
Orthopädiemechaniker André Wohlatz ist bis heute ein wichtiger Wegbegleiter. Alle vier bis sechs Wochen ist Lara Wilkin zur Versorgung ihrer Unterarmprothese vor Ort. Neben der fachlichen Expertise ist die persönliche Ebene für eine erfolgreiche Versorgung essenziell: „In der Zusammenarbeit geht es um Vertrauen, um Verständnis und darum, die Sorgen des Kunden und die eigene Aufgabe ernst zu nehmen“, sagt Wohlatz. Ziel sei, dass Betroffene ihre Hilfsmittel tatsächlich nutzen und bei Problemen nicht kapitulieren. Lara Wilkin ist sicher, dass sie zusammen mit André Wohlatz die beste Lösung für ihre Versorgung gefunden hat. „Er hat nichts abgelehnt, sondern war immer bereit, alle Optionen auszuprobieren. Wir konnten gemeinsam lernen – diese Erfahrung wünsche ich auch anderen.“