Auch heute noch werde das Lipödem häufig fälschlicherweise als Lymphödem diagnostiziert, berichtete die Dr. Kristiana Gordon aus ihrer täglichen Arbeit am St. George’s Hospital in London. Zu wenig sei über die genaue Ursache des Lipödems bekannt. Die Fachärztin für Dermatologie und Lymphovaskuläre Medizin und betreut mit ihrem Team Tausende von Patienten mit primären und sekundären Lymphödemen.
In ihrer Studie ging Gordon folgenden Fragen nach:
- Inwieweit spielen die genetische Veranlagung der Patienten und Einflüsse wie Ernährung oder Stress eine Rolle?
- Weshalb entwickeln manche Lipödem-Patienten auch ein Lymphödem? Weshalb andere nicht?
- Obwohl Lipödem und Adipositas zwei verschiedene Krankheiten sind, treten sie oft zusammen auf – besteht eine Verbindung? Falls ja, welche?
Ergebnisse ihrer Studie aus dem Jahr 2010 mit fünf Familien untermauerten die These, dass das Krankheitsbild einen genetischen Ursprung hat – ein bestimmtes Gen, das für die chronische Fettverteilungsstörung verantwortlich ist, konnte jedoch nicht gefunden werden. Im nächsten Schritt wurde deshalb eine weitere Studie mit 200 Lipödem-Patienten aufgesetzt.
Die Ergebnisse der Studie zum Lipödem im Überblick
- Anders als vermutet verbesserte und reduzierte sich auch das Lipödem bei knapp 87 Prozent der Patienten, die ihre Ernährung umgestellt und Gewicht verloren hatten.
- Lymphödeme traten bei Patienten mit Lipödem meist nur bei Frauen über 60 Jahren auf.
- Nur 13 Prozent der Teilnehmerinnen hatten Krampfadern – wesentlich weniger Fälle als vorher angenommen.
- Chromosom 13 wurde als ein Gen identifiziert, das möglicherweise für eine Lipödem-Erkrankung verantwortlich ist. Eine wissenschaftlich fundierte Bestätigung stehe dazu noch aus.
„Die genaue Rolle der Lipödem-Vererbung ist leider noch nicht abschließend geklärt“, so Dr. Kristiana Gordon. „Wir gehen davon aus, dass es weitere Gene gibt, die eine Rolle spielen, die wir aber noch nicht identifiziert haben. Umso wichtiger ist es, weiter zu forschen, sich untereinander zu vernetzen, Ergebnisse zu teilen und diese mit anderen Experten zu diskutieren. Internationale Symposien wie das Lymphology 360 Summit leisten dabei einen wichtigen Beitrag.“