Die Zahl chirurgischer Eingriffe zur Behandlung der Adipositas hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nach Barmer-Hochrechnungen auf Basis eigener Versichertendaten wurden 2023 bundesweit rund 26.250 sogenannte bariatrische Operationen durchgeführt – im Vergleich zu etwa 5.000 im Jahr 2010. Damit haben sich die Zahlen in diesem Zeitraum mehr als verfünffacht. Insgesamt wurden seit 2010 rund 185.000 Patientinnen und Patienten operiert.
„Bariatrische Eingriffe führen zu einem starken Gewichtsverlust und haben damit das Potenzial, Adipositas und ihre Folge- und Begleiterkrankungen zu reduzieren. Der Erfolg hängt aber entscheidend davon ab, dass die Patientinnen und Patienten ihren Lebensstil langfristig anpassen“, erklärt Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer.
Mit der anstehenden Krankenhausreform sollen bariatrische Operationen künftig in einer eigenen Leistungsgruppe geführt werden – inklusive verbindlicher Qualitätsstandards und klarer Kriterien für die Auswahl geeigneter Patient:innen.
Zwischen Schlauchmagen und Rückfalleffekt
Laut Krankenhausreport betreffen mehr als die Hälfte der OPs Menschen zwischen 30 und 49 Jahren, wobei insbesondere bei den unter 40-Jährigen ein Anstieg zu verzeichnen ist. Bei den 40- bis 54-Jährigen gehen die Eingriffe hingegen zurück.
Auch bei den eingesetzten Operationsmethoden hat sich ein Trend entwickelt. Während bis 2020 Schlauchmagen und Magenbypass etwa gleich häufig durchgeführt wurden, dominiert seither der Schlauchmagen. Hierbei wird der Magen stark verkleinert – die Nahrung nimmt dennoch ihren natürlichen Weg durch den Verdauungstrakt. Magenbypass-Verfahren, bei denen zusätzlich die Passage zwischen Magen und Dünndarm verändert wird, kommen besonders im Norden Deutschlands häufiger zum Einsatz.
Drei Viertel der operierten Patienten und Patientinnen müssen nach der ersten OP erneut stationär behandelt werden – durchschnittlich sechs Aufenthalte mit jeweils neun Tagen Dauer. Gründe sind unter anderem Folgeeingriffe wie die Entfernung überschüssiger Haut, Gelenkersatzoperationen oder Komplikationen wie Entzündungen, Depressionen oder Arthrose.
NRW ist laut Report das Bundesland mit der höchsten OP-Quote: 0,41 bariatrische Eingriffe je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner – deutlich über dem Bundesschnitt von 0,29.
„Vergleicht man die beiden häufigsten Methoden je 1.000 Einwohner, so finden sich mehr Schlauchmagen-Eingriffe in Süddeutschland, wogegen im Norden der Republik Magenbypass-Operationen häufiger sind“, so Prof. Dr. Boris Augurzky vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.
Ein Blick in den Krankenhausreport 2025 zeigt: Die Adipositaschirurgie ist auf dem Vormarsch – mit Chancen, aber auch Herausforderungen für Versorgung, Nachsorge und Lebensstilberatung.