logo

BGW-Test

Mobile Personenlifter auf dem Prüfstand

Mobile Personenlifter auf dem Prüfstand Schnitt beim BGW Test „Patientenlifter“ mit der Note „sehr gut“ ab: das Modell Birdie EVO von Invacare. (Foto: Invacare)

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat mobile Patientenlifter unter die Lupe nehmen lassen. Zwei Modelle erhielten die Note „sehr gut“.

Die FH Münster untersuchte, wie sich die Modelle im Praxisalltag bewähren. Das Ergebnis vorweg: Von den zwölf getesteten Modellen schnitten zwei „sehr gut“ ab: der GLS von Guldmann und der „Birdie EVO“ von Invacare. Von den übrigen Geräten wurden sieben mit „gut“ und drei mit „befriedigend“ bewertet.

Pflegebeschäftigte akzeptieren vor allem leicht nutzbare und sichere Lifter. Im Produkttest der BGW wurde deshalb neben der Sicherheit auch die Praxistauglichkeit unter die Lupe genommen. Die Akzeptanz bei Anwendern wurde im Gesamtergebnis mit 45 Prozent besonders stark gewichtet.
„Wir haben das Feedback aus den Gesundheitseinrichtungen bekommen, dass, Anwenderakzeptanz von Patientenliftern seitens der Pflegekräfte nur sehr gering ist“, sagt Lorenz Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Ergonomie und Medizintechnik (ZEM) an der FH Münster. „Wir fragen uns, woran das liegt, und das führt uns weiter zu der Frage, wie gut oder schlecht die Lifter gestaltet sind.“

Jede teilnehmende Pflegekraft testete drei Lifter mit je drei verschiedenen Szenarien: erstens den Transport vom Bett in den Rollstuhl, zweitens vom Rollstuhl auf die Toilette, drittens vom Boden – zum Beispiel nach einem Sturz – zurück ins Bett. Im Fokus beziehungsweise im hängenden Tuch: ein Patientendummy mit 47 Kilo realverteiltem Gewicht. „Mit einem lebenden Patienten ist es schon anders, klar, aber der Dummy ist für jeden Menschen gleich zu handhaben, und das war wichtig, um unsere Ergebnisse vergleichen zu können“, erklärt Müller.

Das Forscherteam beobachteten die Pflegekräfte dabei, wie sie 14 Handlungsschritte pro Szenario absolvierten –Bremsen lösen, Tücher einhängen, Lifter hochfahren. Im Anschluss folgte die Bewertung. Einen Punkt bekam der Handlungsschritt, wenn er ohne Probleme und intuitiv klappte. Zwei Punkte, wenn die Pflegekräfte in die Bedienungsanleitungen geschaut oder einen Bedienfehler selbstständig korrigiert haben. Und drei Punkte, wenn es einen nicht korrigierten Bedienfehler gab oder die FH-Vertreter helfend eingreifen mussten. Daraus errechnete das Team die Erfolgsrate in Prozent. „Es gab Unterschiede in der Gestaltung der Lifter, aber es war auffällig, dass viele Pflegekräfte Probleme damit hatten, die Tücher einzuhängen. Bei einem Patientenlifter hat das nur in zwei Dritteln der Fälle geklappt.“

Patientenlifter: das subjektive Empfinden

Neben der systematischen Erhebung zur Effektivität mussten die Pflegekräfte auf einem Fragebogen das subjektive Empfinden über den jeweiligen Lifter beschreiben. „Das ermöglicht es uns, die Anwenderakzeptanz je Lifter zu verallgemeinern. Und die Daten geben uns Auskunft über verschiedenste Faktoren, die die Pflegekräfte beim Einsatz stören“, erläutert Müller. „Einige betonen, dass sich der Lifter in die natürlichen Arbeitsabläufe integriert, und sie finden es gut, wenn sich die Breiteinstellung der Füße elektrisch und nicht mechanisch ändern lässt. Die verschiedenen Hakentypen, an denen man die Tücher befestigt, kommen auch ganz unterschiedlich an.“ Ein häufiger Kritikpunkt ist die Tuchgestaltung. „Viele Pfleger haben die Empfindung, die Tücher seien nicht richtig sicher oder zu aufwendig in der Reinigung. Und sie bewerten häufig in Hinblick auf das Patientenwohl.“

Beim Schieben und Ziehen hätten alle Gerätemodelle hervorragend abgeschnitten. Unterschiede im Testergebnis zeigten sich beim Befestigen der Aufnahmehilfe am Transportbügel, das zum Teil schwierig war.

Alle Personenlifter erwiesen sich als tauglich für den Praxisalltag und wurden als sicher eingestuft. Die unverbindlichen Preisempfehlungen der getesteten Geräte reichten von 1.090 bis 7.020 Euro. Dabei lagen die Testsieger mit 2.490 Euro (Guldmann) und 1.650 Euro (Invacare) preislich im unteren Mittelfeld.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

  • Invacare erhält zwei Auszeichnungen
  • Invacare gibt Standort Porta Westfalica auf
  • Invacare bezieht neue Zentrale
Tobias Kurtz / 17.09.2019 - 16:00 Uhr

© Sternefeld Medien GmbH