Laut Eigenbeschreibung handelt es sich bei Grizzly um einen Leerverkäufer, der offengelegt hat, dass er und/oder mit ihm verbundene Personen Leerverkaufspositionen in Ottobock-Aktien halten oder halten könnten. Damit handelt es sich laut einer Mitteilung von Ottobock um eine Meinungsäußerung eines Short-Sellers (short-biased report), der laut eigenem Disclaimer ein wirtschaftliches Eigeninteresse an fallenden Kursen verfolgt.
Ottobock sei von Grizzly vor der Veröffentlichung nicht kontaktiert worden. Das Unternehmen bewertet den Bericht als „verleumderisch und in hohem Maße irreführend“ und prüft derzeit rechtliche Schritte, einschließlich einer Meldung an die zuständige deutsche Aufsichtsbehörde mit dem Verdacht auf Marktmanipulation.
Der Bericht greife Themen auf, die bereits vom Unternehmen offengelegt worden seien, über die zuvor berichtet wurde und sich als falsch erwiesen haben oder die private Angelegenheiten auf Gesellschafterebene betreffen.
Ottobock bestätigt ohne Einschränkungen die Integrität seines im Oktober 2025 von der BaFin gebilligten Wertpapierprospekts, der mit uneingeschränkten Bestätigungsvermerken der unabhängigen KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testierten Abschlüsse sowie aller weiteren Kapitalmarktveröffentlichungen.
Zu den Hauptvorwürfen
Behauptung: Ottobock wendet „aggressive Bilanzierungspraktiken“ an, unter anderem im Hinblick auf aktivierte Entwicklungskosten und die angesetzten Nutzungsdauern für Sachanlagen.
Ottobock stehe für transparente und regelkonforme Rechnungslegung und Berichterstattung. Die Berichterstattung erfolge im Einklang mit den IFRS-Rechnungslegungsgrundsätzen und wird durch unabhängige Wirtschaftsprüfer geprüft. Die verpflichtende Aktivierung von Entwicklungskosten erfolge nach den Kriterien des IAS 38. Die Abschreibungsdauer für Sachanlagen basiert gemäß IAS 16 auf der erwarteten wirtschaftlichen Nutzungsdauer jeder individuellen Anlage.
Behauptung: Die Darstellung in „Core“ und „Non-Core“ ermögliche es Ottobock, schwach performende Geschäftsbereiche zu verbergen.
Die Definitionen des Core-/ Non-Core-Geschäfts seien transparent offengelegt. Der getrennte und zusätzliche Ausweis von Core- und Non-Core-Kennzahlen auf Gruppenebene in einer Phase der Portfolio-Bereinigung erhöhe die Transparenz für Investoren, da sie einen fairen Blick auf die operative Entwicklung des fortgeführten Kerngeschäfts ermögliche, noch bevor die Veräußerung nicht-strategischer Aktivitäten vollständig abgeschlossen sei.
Behauptung: Russland mache rund 35 % des Nettogewinns von Ottobock aus; Ottobock unterstütze die russische Kriegsführung.
Die im Bericht dargestellte Berechnung zum Ergebnisbeitrag des Russlandgeschäfts sei falsch; sie basiere auf falschen Kennzahlen und lasse daher keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Ergebnisbeitrag zu.
Ottobock konzentriere sich in Russland ausschließlich auf die Versorgung von Zivilisten. Es bestünden keine Verträge mit dem Militär oder militärnahen Institutionen und es wird an keinen militärischen Ausschreibungen teilgenommen.
Behauptung: Aktionäre hätten aufgrund der „SE & Co. KGaA-Struktur“ keine Stimme im Unternehmen.
Ottobock operiert unter einer Rechtsstruktur, die an den deutschen Kapitalmärkten etabliert ist und von börsennotierten Unternehmen wie Fresenius und Hella genutzt wird. Die Struktur spiegele die langjährige Familienprägung des Unternehmens wider und unterstütze eine langfristige strategische Ausrichtung.
Behauptung: Häufige Wechsel im Management, insbesondere auf der CFO-Position, deuteten auf unzuverlässige Führung hin.
Ottobock werde von einem langjährig tätigen Führungsteam geleitet. CEO und CSO Oliver Jakobi ist seit mehr als 30 Jahren für das Unternehmen tätig, trat 1990 ein, hatte vor seiner Berufung in den Vorstand im Jahr 2020 verschiedene leitende Funktionen innerhalb der Gruppe inne und verfügt damit über umfangreiche Erfahrung. CFO Dr. Arne Kreitz kam 2018 als Chief Strategy and Transformation Officer zu Ottobock und ist seit 2022 CFO. COO und CTO Arne Jörn gehört dem Vorstand seit März 2018 an, CXO Martin Böhm seit Juni 2021.
Behauptungen hinsichtlich Professor Hans Georg Näder oder der Näder Holding.
Ottobock kommentiert keine Angelegenheiten von Aktionären. Entsprechend werden auch keine persönlichen Angelegenheiten von Professor Hans Georg Näder oder Themen rund um die Näder Holding kommentiert. Die Näder Holding werde unabhängig von Ottobock geführt und finanziert. Entsprechende Finanzierungsvereinbarungen auf Gesellschafterebene sind keine Verpflichtungen von Ottobock und begründen keinen Rückgriff auf das Unternehmen.
Vor diesem Hintergrund habe Ottobock externe Experten mandatiert, um alle rechtlichen und regulatorischen Schritte gegenüber den Verantwortlichen im Zusammenhang mit dem Bericht und seiner Veröffentlichung zu prüfen und konsequent zu verfolgen.