Auf der Weltleitveranstaltung der Branche kamen nach offiziellen Angaben 21.400 Fachbesucher aus 92 Ländern, 623 Aussteller aus 41 Ländern sowie mehr als 300 internationale Referenten zusammen. Im Mittelpunkt standen Rehabilitation, Ausbildung, integrative Versorgung, Robotik, Künstliche Intelligenz und Versorgung in Krisen- und Kriegsregionen.
Mit der Kampagne „50 Jahre – 50 Stimmen“ feierte die OTWorld ihr 50jähriges Bestehen. Die Initiative zeigt Menschen aus aller Welt, deren Alltag sich durch gute Versorgung verändert hat. Menschen, die erzählen, was es bedeutet, wieder beweglicher zu sein, selbstständiger zu leben, Vertrauen zurückzugewinnen oder einen Moment echter Freiheit zu erleben.
Auch die Eröffnung der OTWorld 2026 stellte die Anwendersicht ins Zentrum. Tan Çağlar und Lara Wilkin waren als Botschafter auf der Bühne der Eröffnung dabei – gemeinsam mit Hari Budha Magar. Ihre Geschichten machten sichtbar, wie Hilfsmittelversorgung den Unterschied machen kann.
Hari Budha Magar steht für Ziele, die größer sind als jede Grenze. Nach seiner beidseitigen Oberschenkelamputation bestieg er als erster Mensch die höchsten Berge aller sieben Kontinente – darunter den Mount Everest. Lara Wilkin bringt ihre eigene Versorgungserfahrung in Forschung, internationale Vernetzung und Aufklärung ein. Schauspieler Tan Çağlar sprach über Teilhabe, Bewegung und neue Perspektiven.
Mit 623 Ausstellern aus 41 Ländern erreichte die OTWorld 2026 die höchste Beteiligung ihrer Geschichte. Besonders stark wuchs die Reha-Technik mit mehr als 120 Ausstellern. In den Hallen trafen digitale Fertigungsprozesse auf handwerkliche Präzision, intelligente Prothetik auf moderne Orthopädieschuhtechnik, Robotik auf Versorgungspraxis, Künstliche Intelligenz auf Alltagserfahrung.
Die Messe machte deutlich, wie technischer Fortschritt und menschlicher Bedarf zusammengehören. Neue Verfahren, digitale Prozesse und intelligente Systeme eröffnen Möglichkeiten – ihre Richtung bekommen sie dort, wo sie Menschen im Alltag unterstützen: in Mobilität, Selbstständigkeit und Teilhabe. Peter Franzel, Head of Events & Exhibitions, Ottobock, kommentierte: „Dass Messe und Kongress dabei so eng miteinander verzahnt sind, macht die OTWorld besonders stark: Innovation wird hier nicht nur präsentiert, sondern fachlich eingeordnet, diskutiert und weitergedacht.“
Auch die Orthopädieschuhtechnik zeigte, wie stark sich handwerkliche Kompetenz weltweit durchsetzt. „Orthopädieschuhtechnik aus Deutschland hat lange um die internationale Aufmerksamkeit gerungen. Die OTWorld 2026 machte deutlich, wie das Wissen aus Deutschland über die Einlagenversorgung hinaus in den anderen Ländern inzwischen angekommen ist. Wir begrüßten Besucher aus New York, Taiwan und Australien“, erklärte Annette Kerkhoff, Referentin und Projektleiterin des Kompetenzzentrums Orthopädieschuhtechnik (KomZet O.S.T.).
Großes Interesse galt dem neuen Format OTWorld.eSummit. Dort wurde diskutiert, wie Künstliche Intelligenz, digitale Prozesse und vernetzte Systeme die Versorgung verändern können. „Das Gesundheitswesen ist eines der größten Verwaltungssysteme unserer Zeit“, erklärte Frank Rudolf, Referent für Heil- und Hilfsmittel beim AOK-Bundesverband und Partner des eSummit. „Wenn wir Versorgung zukunftsfähig machen wollen, brauchen wir dafür eine neue digitale Infrastruktur. Beim OTWorld.eSummit ging es deshalb um Patientenführung, Versorgungsdokumentation, Leistungsprüfung, digitales Werkstatt-Management, Plattformlogik, Software und Künstliche Intelligenz. Das Ziel ist nicht mehr Technik im System. Das Ziel ist weniger Reibung, bessere Zusammenarbeit und mehr Zeit für das Eigentliche: die Versorgung der Menschen.“ Gerade in einer Zeit knapper Ressourcen wird digitale Zusammenarbeit zu einer Zukunftsfrage. Wer Versorgung sichern will, muss Wissen schneller nutzbar machen. Zwischen Medizin, Therapie, Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik, Wissenschaft, Kostenträgern und Betroffenen.
Wo Wissen schneller in die Praxis kommt
Parallel zur Weltleitmesse brachte der Weltkongress Fachleute aus Medizin, Technik, Therapie, Wissenschaft und Versorgungspraxis zusammen. Mehr als 300 Referenten aus über 30 Ländern gestalteten ein internationales Programm mit Symposien, Workshops, Vorträgen und Posterpräsentationen. Im Mittelpunkt standen Rehabilitation, integrative Versorgung und Ausbildung – aber auch die Frage, wie neues Wissen schneller bei den Menschen ankommt.
Orthopädietechniker, Orthopädieschuhtechniker, Ärzte, Therapeuten, Reha-Fachkräfte und Wissenschaftler diskutierten gemeinsam über neue Versorgungskonzepte, internationale Entwicklungen und die Zukunft interdisziplinärer Zusammenarbeit.
„Der Weltkongress hat gezeigt: Zukunft entsteht nicht in einzelnen Disziplinen. Sie entsteht dort, wo Medizin, Therapie, Technik und Wissenschaft gemeinsam auf den Menschen schauen. Die Zeit für Solisten ist vorbei“, betonte Dr. Doris Maier, Kongresspräsidentin und Ärztliche Direktorin an der BG Unfallklinik Murnau. „Die OTWorld verbindet internationale Perspektiven mit den konkreten Fragen des Versorgungsalltags. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie bringt Wissen in Bewegung”, unterstrich Dipl. OTM Thomas Münch, Kongresspräsident und Vorstandsmitglied des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT).
Auch der fachliche Nachwuchs spielte eine zentrale Rolle. Die Jugend.Akademie TO brachte als weltweit größtes Treffen des Branchennachwuchses hunderte Auszubildende und Studierende aus aller Welt nach Leipzig und verband Nachwuchsförderung mit internationalem Wissenstransfer. Erstmals fand zudem ein eigener Tag der Physiotherapeuten statt, der den Austausch zwischen Therapie und technischer Versorgung weiter stärkte.
„Die OTWorld zeigt die ganze Relevanz technischer Orthopädie. Sie ist ein Schlüssel zur Ambulantisierung, weil sie medizinische Therapie, Rehabilitation und wohnortnahe Versorgung miteinander verbindet. Sie schafft Übergänge aus der Klinik in den Alltag. Und sie kann mit evidenzbasierten Versorgungskonzepten früh eingreifen, bevor aus Einschränkungen Leid, Pflegebedürftigkeit und Folgekosten entstehen. Technische Orthopädie wird in den Gesundheitssystemen noch immer unterschätzt. Die OTWorld ist der Ort, an dem wir zeigen, was diese Fachwelt leisten kann.“, betonte Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik.