Die Berliner Orakel haben es derzeit schwer. „Es dringt nichts raus“, erläuterte der PR-Fachmann Dr. Wigan Salazar, Geschäftsführer der MSL Group Germany, einen wesentlichen Unterschied zu früheren Koalitionsverhandlungen. Grundsätzlich stellte er fest: Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) stehe „an letzter Stelle der Begehrlichkeiten und ist eine heiße Kartoffel“. Keiner dränge sich dafür auf, da es in der kommenden Legislaturperiode darum gehe, „Einsparpotenziale zu finden“.
Die Branchenlobbyisten stünden vor der Herausforderung, viele neue Gesichter kennenlernen zu müssen. 60 Prozent der Abgeordneten des ehemaligen Gesundheitsausschusses sitzen nicht mehr im Parlament, so Salazar weiter. Die Pandemie habe die Themen der Zukunft aufgezeigt: „In der jetzt gerade begonnenen Legislaturperiode muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter vorangetrieben werden. Dabei sollte vor allem das Einsparpotential berücksichtigt werden, nicht zuletzt wegen des hohen Kostendrucks im Gesundheitssystem“.
Die Referenten der virtuellen Veranstaltung zeigten zudem die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Hilfsmittelversorgung in verschiedenen Bereichen auf.
Bianca Haaser, Fachberaterin Grundsatzfragen Hilfsmittelversorgung bei der AOK Plus, gab einen Überblick über die Vorteile für die Versicherten und die Krankenkassen durch die Digitalisierung von administrativen Prozessen in der Hilfsmittelversorgung. „So konnten wir die Dunkelverarbeitung/Autogenehmigung einführen und sind derzeit dabei diese weiter auszubauen. Ebenso werden die Gutachtenaufträge an den Medizinischen Dienst inzwischen maschinell per DTA übertragen. Ein Tool zur Echtzeitabfrage der Zuzahlungsbefreiung steht für unsere Leistungserbringer zur Verfügung. Ein Blick in die Zukunft verrät weitere spannende Themen, wie den möglichen Einsatz von künstlicher Intelligenz oder die Einführung der eVerordnung.“
André Dick, Leiter digitale Fertigung bei Rahm Zentrum für Gesundheit präsentierte neue Möglichkeiten die durch die Digitalisierung im Bereich der Hilfsmittelfertigung, entstehen. „Wir sollten bei allen neuen und spannenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung unser klassisches Handwerk nicht vergessen. Auch beim 3D Drucken muss es immer um einen Mehrwert für den Patienten gehen – wir drucken nicht dem Drucken zuliebe. Vielmehr wählen wir die Herstellungsweise, die in dem konkreten Anwendungsfall einen Mehrwert für den Patienten liefert.“
Dr. Walter Seliger, Teamleiter Hilfsmittelverzeichnis beim GKV-Spitzenverband Bund stellte unter anderem das neue Webportal des Hilfsmittelverzeichnisses vor, das seit Juni 2021 online ist. Die Resonanz: „Mehr als 220 Hersteller nutzen bereits das Portal zur Antragstellung. Ca. 95 Prozent der Anträge werden online gestellt.“
Patientenwahlrecht und Entlassmanagement
Alexander Hesse, Justiziar des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT), setzte sich mit dem Patientenwahlrecht bei der Anwendung digitaler Entlassmanagement-Plattformen auseinander. „Das Entlassmanagement war in den letzten Jahren Gegenstand einiger Veränderungen. Es greifen hier zahlreiche Gebote und Verbote, Rechte und Pflichten aus verschiedenen Versorgungsbereichen und Interessenlagen ineinander. Zunehmend ist zu beobachten, dass weitere Akteure die Schnittstellen zwischen Kliniken, Kostenträgern und den Leistungserbringern besetzen, in der Hoffnung, nach außen innovativ dazustehen aber gleichzeitig auch eine lukrative Schnittstelle zu übernehmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bleiben dabei oftmals unberücksichtigt. Dies wiederum geht in der Regel zu Lasten der Versicherten aber auch zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen.“
Einen ausführlichen Beitrag lesen Sie in der kommenden Ausgabe von GesundheitsProfi im Dezember.