Es geht selbstverständlich um Klimaschutz – aber nicht nur. In seinem Vortrag veranschaulichte Johannes Kopf, dass Nachhaltigkeitsmanagement weit über Fragen des Naturschutzes hinausgeht. Außerdem verdeutlichte er, wie Unternehmen sich über Einzelmaßnahmen hinaus ein schlüssiges Konzept erarbeiten können.
Lieferkettengesetz, Verpackungsgesetz, Energieeffizienzgesetz, Entwaldungsverordnung, EU-Taxonomieverordnung – auf seiner ersten Folie machte Johannes Kopf bereits klar, dass der Sanitätsfachhandel und die Hilfsmittelbranche allein aufgrund der Gesetzgebung sich mit einer nachhaltigen Wirtschaftsweise auseinandersetzen müssen. Ein Problem sei die Planungsunsicherheit. Die EU etwa rudere aktuell zurück. „Das macht uns einen Strich durch die Rechnung.“
Nachhaltigkeit sei ein Querschnittsthema, das eine gute Vernetzung im Unternehmen erfordere. Johannes Kopf empfiehlt organisatorisch einen Lenkungskreis mit Entscheidungsträgern sowie die Verantwortung auf der Ebene der Geschäftsführung anzusiedeln.
Wesentlichkeitsanalyse
Vor der Nachhaltigkeitsstrategie steht eine Wesentlichkeitsanalyse. Nachhaltigkeitsmanager müssten dafür die Geschäftsbeziehungen verstehen, Themen recherchieren und mit allen Stakeholdern des Unternehmens sprechen. Bei Rahm standen am Ende dieses Prozesses 250 Themen auf einer Liste. Die wurden nach ihren Chancen und Risiken analysiert, um dann rund 30 Themen zu priorisieren.
Inhaltlich werde die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick genommen. Dabei weiß Johannes Kopf um den „begrenzten Einfluss“ auf die vorgelagerte Lieferkette, nicht zuletzt wegen der intransparenten Geschäftsbeziehungen
Die wichtigsten Themen sieht er in vier Handlungsfeldern:
- Klimaschutz: Ziele sind hier eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen und des Energieverbrauchs. Zu den Maßnahmen gehören u.a. Ökostrom, die Umstellung auf E-Fahrzeuge sowie die Auswahl klimafreundlicher Produkte und Lieferanten. Indikatoren sind eine Treibhausgas-Bilanz oder der Product Carbon Footprint (PCF).
- Kreislauffähige Produkte: Rahm will den Wiedereinsatz von Hilfsmitteln ausbauen sowie mehr recycelbare und nachwachsende Materialien einsetzen. Dafür soll der 3D-Druck anstelle der Fräsung gestärkt werden. Erfasst werden die Abfallmengen nach Art oder der Recyclinganteil in Produkten.
- Gute Arbeitsbedingungen: Hierunter fällt unter anderem die Sicherstellung der Geschlechtergleichheit in der Bezahlung. Dafür will Rahm Transparenz über die Lohnlücke herstellen
- Gesundheit und Mobilität: Dabei geht es um die Versorgungssicherung sowie eine weitere Verbesserung der Produkt- und Beratungsqualität. Rahm will Innovationen vorantreiben und die Wirksamkeit von Produkten und Beratung erheben. Mögliche Messparameter sind die Reklamationsquote und die Kundenzufriedenheit.