Der Fachkräftemangel trifft die Hilfsmittelversorgung dort, wo spezialisiertes Wissen unmittelbar gebraucht wird: in Beratung, Anpassung und Begleitung. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung kann damit aus einem betrieblichen Personalengpass schnell eine Versorgungsfrage werden, teilt das Netzwerk Rehakind mit. Unternehmen brauchen deshalb zusätzliche Wege, um geeignete Fachkräfte abseits der klassischen Ausbildung zu gewinnen, spezialisiertes Wissen breiter zu verankern und damit ihre personelle Handlungsfähigkeit langfristig zu sichern.
Hier setzt das neue Kompetenzprogramm Hilfsmittel an: Ab 2027 bietet es eine berufsbegleitende Weiterbildung für Menschen, die neu in die Kinderhilfsmittelversorgung einsteigen und gezielt für dieses anspruchsvolle Versorgungsfeld qualifiziert werden sollen. Die Qualifizierung erstreckt sich über rund zwölf Monate und verbindet Schulungsphasen gezielt mit der praktischen Tätigkeit im Betrieb.
„Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen braucht Menschen, die medizinische und funktionelle Zusammenhänge verstehen, Hilfsmittel beurteilen, Familien beraten und interdisziplinär arbeiten können. Die dafür erforderlichen Kompetenzen müssen systematisch aufgebaut werden. Genau darin liegt auch eine Chance für die Fachkräftegewinnung: Wenn Unternehmen gezielt qualifizieren, können sie ihren Blick über die klassischen Ausbildungswege hinaus erweitern und zusätzliche Fachkräftepotenziale erschließen. So verbreitern sie ihre personelle Basis, sichern spezialisiertes Fachwissen und tragen zugleich dazu bei, dass Kinder auch künftig bedarfsgerecht versorgt werden können“, sagt Christiana Hennemann von Rehakind.
Das Kompetenzprogramm richtet sich deshalb bewusst an Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Die Weiterbildung ist so angelegt, dass die Teilnehmenden ihre berufliche Tätigkeit während des Programms fortfuhren und neu erworbenes Wissen unmittelbar in ihrem Arbeitsumfeld anwenden können. Eine bestimmte Ausbildung, technische Vorkenntnisse oder Erfahrung in der Kinderreha sind nicht erforderlich.
Modular und berufsbegleitend
Das Kompetenzprogramm ist auf rund zwölf Monate angelegt und verbindet elf Schulungstage in Präsenz mit 4,5 Online-Tagen, eigenständiger Vor- und Nachbereitung, Transferaufgaben im Betrieb und praxisbezogenen Kompetenznachweisen. Die einzelnen Lernphasen verteilen sich über den gesamten Weiterbildungszeitraum. So werden Weiterbildung und betriebliche Praxis systematisch miteinander verzahnt. Die Inhalte reichen von medizinischen Grundlagen, Bedarfsermittlung und Beratung über Recht und Finanzierung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit bis zu Versorgungsbegründung und Fallmanagement. Einen zentralen Bestandteil bilden Praxis-Workshops, in denen die Teilnehmenden direkt mit Hilfsmitteln arbeiten.
Ziel ist, dass die Teilnehmenden Bedarfe fachlich einordnen, Versorgungslösungen beurteilen, Entscheidungen nachvollziehbar begründen und Versorgungsprozesse sicher begleiten können. Das Gelernte wird dabei nicht nur innerhalb der Schulungsmodule vermittelt, sondern durch Transferaufgaben in den jeweiligen Betrieb getragen. So bauen die Teilnehmenden schrittweise die Handlungskompetenz auf, die sie für komplexe Versorgungssituationen benötigen.
Antwort auf Branchenbedarf
Der Impuls für das Programm kam unmittelbar aus der Branche: „Im Rehakind Fachhandelsbeirat wurde früh deutlich, dass die klassischen Ausbildungswege den wachsenden Personalbedarf allein nicht auffangen können. Gerade in spezialisierten Bereichen wie der Kinderhilfsmittelversorgung brauchen Betriebe deshalb zusätzliche Möglichkeiten, Menschen für diese Aufgaben zu qualifizieren“, sagt Karsten Werner, Abteilungsleiter des Bereichs Kinderreha/Sonderbau bei der Luttermann GmbH und Mitglied im Fachhandelsbeirat von Rehakind.
Die Idee wurde im Netzwerk mit Beteiligten aus Fachhandel, Hilfsmittelindustrie, Medizin, Therapie, Orthopädie- und Rehatechnik sowie weiteren Bereichen der Kinderrehabilitation weiterentwickelt. „Für uns war entscheidend, für diesen Personalbedarf einen tragfähigen Qualifizierungsweg zu entwickeln. Er muss fachlich fundiert sein und sich zugleich mit dem betrieblichen Alltag vereinbaren lassen. Unternehmen brauchen zusätzliche Möglichkeiten, Fachkräfte aufzubauen, ohne beim fachlichen Anspruch an die Versorgung Abstriche zu machen. Genau diese Anforderungen verbindet das Kompetenzprogramm“, so Hennemann.
Start 2027
Das Kompetenzprogramm Hilfsmittel startet 2027. Wer es näher kennenlernen möchte, kann an den kostenfreien Online-Veranstaltungen „Fachkräfte für die Kinderreha entwickeln: Was gute Qualifizierung in der Praxis leisten muss“ am 14. Oktober oder 11. November 2026, jeweils von 16 bis 17 Uhr, teilnehmen. Weitere Informationen zu Aufbau, Programminhalten, Voraussetzungen und Teilnahme am Kompetenzprogramm Hilfsmittel gibt es hier.