Wo sind die Menschen, die Kinder und Jugendliche mit Hilfsmitteln versorgen? Und das auch noch qualitativ hochwertig? In der Kinder-Reha fehlen Arbeitskräfte und Wissen. Vor diesem Hintergrund hat Rehakind eine Fachkräfteinitiative ins Leben gerufen. Diese soll die Qualität der Kinder-Reha langfristig sichern und die Attraktivität des Berufsfeldes erhöhen.
Auf der Mitgliederversammlung anlässlich des Focus CP Rehakind-Kongresses wurde das Konzept vorgestellt. „In der anspruchsvollen Hilfsmittelversorgung für Kinder besteht ein Qualifizierungsdefizit“, fasst Geschäftsführerin Christiana Hennemann die Situation zusammen.
Die Ursachen dafür seien seit Jahren bekannt: In der Berufsausbildung spiele Kinder-Reha kaum eine Rolle. Quereinsteiger ohne Spezialisierung prägten das Bild in vielen Betrieben. Zudem gebe keine einheitlichen Qualitäts- oder Weiterbildungsstandards. Und in den nächsten Jahren zunehmend relevant: Durch den Generationswechsel in den Unternehmen geht Know-how verloren.
Inhalte und Ziele
Die Fachkräfteinitiative will eine berufsbegleitende Weiterbildung entwickeln, die eine fundierte Spezialisierung für die Kinder-Reha ermöglichen soll. Dabei arbeitet Rehakind mit dem OTM und langjährigen Branchenkenner Peter Fröhlingsdorf zusammen.
Zu den geplanten Inhalten der einjährigen Fortbildung gehören Grundlagen zu medizinischen, technischen und psychosozialen Aspekten sowie praktische Workshops unter anderem mit Rollstühlen, Steh-, Geh-, Sitzsystemen sowie im Sonderbau. Feste Hospitationen in anderen Betrieben sollen den Know-how-Transfer fördern.
Besonders hervor heben Christiana Hennemann und Peter Fröhlingsdorf den interdisziplinären Ansatz. „Wir wollen gezielt die Zusammenarbeit im Team mit Ärzten, Therapeuten, Eltern und Kindern fördern. Das muss in die Köpfe und geht nur mit Fachwissen auf Augenhöhe“.
Die Weiterbildung soll die Betriebe auf verschiedenen Ebenen voranbringen. Anstatt Fachkräfte verzweifelt zu suchen, könnten diese selbst entwickelt werden. Die Qualifizierung reduziere den Druck zur Mitarbeitersuche und mögliche Fehleinstellungen, die ja auch viel Geld kosten. „Wir müssen in der Kinderreha Fachkräfte entwickeln, statt dauerhaft zu hoffen, sie irgendwo zu finden“, sagt Peter Fröhlingsdorf. Qualität in der Versorgung entstehe nicht zufällig, sondern brauche Struktur, Weiterbildung und bewusst aufgebautes Wissen im Betrieb. Geschulte Mitarbeitende steigerten außerdem nicht nur die Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit. Sie seien motivierter und loyaler zum Unternehmen. Die Betriebe können sich als qualifizierte Partner im Kinderversorgungsmarkt positionieren und ihr Image als Arbeitgeber verbessern.
Der Fachhandelsbeirat von Rehakind, zehn Experten aus unterschiedlichen Häusern bundesweit, unterstützt den baldigen Start sowie die Curriculumsentwicklung. Auch die Zusammenarbeit mit der FOT oder Grundlagen aus der BUFA-Ausbildung könnten Bestandteile sein. Dies wird vom Fachhandelsbeirat eng begleitet. Angedacht sind monatliche Lerneinheiten, teils digital, teils in Präsenz.
Neben den drei Modulen der Rehakind-Fachberater-Weiterbildung werden verschiedene, übergreifend und neutral organisierte Produktschulungen bei Herstellern eingeplant sowie der Blick in die über Reha- und Orthopädietechnik hinausgehende Produktgruppen. So könnte es z.B. acht bis zehn verpflichtende Module geben und zwei bis vier frei kombinierbare Module aus einem interdisziplinären Angebot.
Finanzieller Kraftakt
Die Weiterbildungsinitiative sei für Rehakind ein Kraftakt, der finanziell nicht aus den eigenen Mitteln gestemmt werden könne. Um das Projekt zu starten, benötigt die Interessengemeinschaft eine Anschubfinanzierung, erklärt Christiana Hennemann. Dafür müssen mindestens 20 Betriebe jeweils 2.500 Euro übernehmen. „Durch diese gemeinsame Finanzierung wird sichergestellt, dass die Weiterbildung professionell, praxisnah und auf dem gewohnt hohen Qualitätsniveau von Rehakind entwickelt wird.“
Die Vorfinanzierung honoriert Rehakind mit einem Preisnachlass: Für bis zu zwei Weiterbildungsplätze pro Betrieb werden jeweils 1.500 Euro angerechnet. Insgesamt werde die Weiterbildung rund 12.000 Euro kosten. Nach einer positiven Entscheidung über den Projektstart durch den Rehakind-Vorstand im April fällt nun der Startschuss für die Entwicklung des Curriculums. Die Pilotphase und die erste Weiterbildung beginnen laut Plan im kommenden Jahr.