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Krankenkassen wollen „Standards drücken“

Stoma-Versorgung: ,Faktor Lebensqualität‘ warnt vor „Kahlschlag“

Die Initiative „Faktor Lebensqualität“ warnt eindringlich davor, die Dienstleistungen rund um die Versorgung von Stoma-Patienten einzuschränken. Klaus Grunau erklärt, warum.

„Die gesetzlichen Krankenkassen versuchen hier gerade die Standards ganz erheblich zu drücken“, wird Klaus Grunau, Sprecher der Initiative „Faktor Lebensqualität“, in einer Mitteilung zitiert. „Stoma-Träger werden von den Hilfsmittel-Lieferanten nicht nur mit den individuell medizinisch erforderlichen Produkten ausgestattet. Sie beraten Menschen mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang auch intensiv bei der richtigen Anwendung“, so Grunau.

Gefährdet sieht die Initiative „Faktor Lebensqualität“ diese vielfältigen Dienstleistungen der Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen derzeit unter anderem durch die Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses (HMV). „Die Vorschläge des GKV-Spitzenverbands hierzu sind vollkommen unzureichend. Sie kommen einem Abriss bisheriger Mindeststandards gleich. Dies gefährdet die Versorgungsqualität der Betroffenen“, sagt Grunau. Hinter „Faktor Lebensqualität“ steht der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed). Grunau ist gleichzeitig Mitglied der Geschäftsführung von Hollister Incorporated.

Stoma-Versorgung ist „dienstleistungsintensiv“

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen ist durch das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) aufgefordert, das Hilfsmittelverzeichnis zu aktualisieren. Das HHVG sieht außerdem vor, erstmals die zusätzlich zur Bereitstellung des Hilfsmittels zu erbringenden Dienstleistungen im HMV zu definieren. „Die Krankenkassen sind hier offenbar auf einen Kahlschlag aus. Und vermutlich versuchen sie damit, über das Hilfsmittelverzeichnis Ausschreibungen durch die Hintertür wieder zu ermöglichen“, so Klaus Grunau. Einige Krankenkassen haben in letzter Zeit dienstleistungsintensive Versorgungsbereiche wie die Stoma-Versorgung ausgeschrieben und an neue Lieferanten vergeben. Nach Ansicht der Initiative „Faktor Lebensqualität“ steht das im Widerspruch zu den Vorgaben des HHVG. Demnach sind Ausschreibungen untersagt, wenn Hilfsmittel individuell angefertigt werden müssen oder die Versorgung mit einem hohen Dienstleistungsanteil verbunden ist. Dies treffe zweifelsohne auf die Stomaversorgung zu.

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Tobias Kurtz / 05.07.2018 - 10:11 Uhr

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