Schlaganfall und Herzinfarkt sind in aller Munde. Doch die Gefäßverkalkungen, die diese Erkrankungen auslösen, führen genauso häufig zu Durchblutungsstörungen in den Beinen, teilt die KKH mit. Je enger die Blutgefäße in den Beinen durch Verkalkungen werden, desto schlechter wird die Muskulatur mit Blut versorgt. Diese Erkrankung wird periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannt. Im Volksmund wird sie auch als „Schaufensterkrankheit“ bezeichnet. Der Name klingt harmlos, dabei haben die Betroffenen im fortgeschrittenen Stadium meist große Schmerzen in den Beinen und bleiben daher immer wieder stehen – wie vor einem Schaufenster. Allein in Deutschland leiden 4,5 Millionen Menschen unter der Durchblutungsstörung. Unter den Versicherten der KKH Kaufmännische Krankenkasse sei der Anteil der Erkrankten zwischen 2011 und 2021 um 81 Prozent gestiegen. Die Krankheit reduziere die Lebenserwartung um durchschnittlich zehn Jahre.
Ein neuartiges Behandlungskonzept soll die Gehbeeinträchtigung und Lebensqualität dieser Patientinnen und Patienten maßgeblich verbessern. Darauf weisen die KKH und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) angesichts der Ergebnisse einer Evaluationsstudie hin. Das Projekt zu pAVK wurde 2018 ins Leben gerufen und vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.
„pAVK wird nicht nur häufig erst spät erkannt, auch bei der Behandlung können wir noch besser werden – angefangen beim Gehtraining bis hin zu vermeidbaren Amputationen.“
Dr. Lutz Herbarth, Leiter des Kompetenzteams Medizin bei der KKH
Um die Versorgungssituation zu verbessern, wurde das Projekt „pAVK-TeGeCoach“ von der KKH initiiert und mit mehreren Partnern umgesetzt. Die Studienergebnisse lieferten einen neuen Auftrieb für eine erfolgreiche Behandlung. „Es geht also im wahrsten Sinne des Wortes vorwärts. Die Gehbeeinträchtigung der Teilnehmer konnte signifikant verbessert werden. Die Daten zeigten zudem, dass das Behandlungskonzept für eine deutliche Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität sorge“, zeigt sich Priv.-Doz. Dr. Jörg Dirmaier, Leiter der Arbeitsgruppe Patientenzentrierte Gesundheitsversorgung und e-health am Institut und der Poliklinik für Medizinische Psychologie, UKE, zufrieden. Deshalb solle das untersuchte telemedizinisch gestützte Gehtraining in das Leistungsspektrum der GKV aufgenommen werden. „Neben einer höheren Lebensqualität der Betroffenen könnte das auch zu einem geringeren Kostenaufwand für die gesamte Versichertengemeinschaft führen“, erklärt Corinna Beutel, Bereichsleiterin Versorgungs- und Vertragsmanagement der KKH.
Aufbau der pAVK-Studie
An der klinischen Studie nahmen rund 2.000 Versicherte teil, die in zwei Gruppen (Behandlungs- und Vergleichsgruppe) eingeteilt wurden. Untersucht wurde die Wirksamkeit einer individuellen Gesundheitsberatung und telemetrisch unterstütztem Gehtraining im Vergleich zur Regelversorgung der pAVK. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Behandlungsgruppe erhielten einen Aktivitätstracker, der Informationen zum Gehtraining und zur Herzfrequenz erfasste.
„Mit Hilfe der Daten entwickelten die Gesundheitsberaterinnen und -berater zusammen mit Medizinern und Betroffenen einen individuellen Plan, um Training und Ernährungsweise in Kombination mit der verordneten Medikation zu optimieren“, erklärt Lutz Herbarth, Leiter des Kompetenzteams Medizin bei der KKH, das Konzept. „Für ein erfolgreiches Gehtraining müssen Betroffene täglich bis an die Schmerzgrenzen gehen. Das erfordert viel Motivation, die wir mit diesem Konzept angepasst an die individuellen Bedürfnisse über einen langen Zeitraum aufrechterhalten konnten. Unser Ziel ist es, dieses Angebot in das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen zu integrieren, damit noch mehr Patientinnen und Patienten davon profitieren können“, so der Mediziner. „Denn die Ergebnisse signalisieren eindeutig die positiven Einflüsse unseres innovativen Behandlungskonzeptes.“
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