Laut Studie ist die Hälfte der Menschen in Deutschland sportlich aktiv – in unterschiedlicher Intensität. Die andere Hälfte bezeichnet sich selbst als Sportmuffel oder Antisportler. Und: Wer sich nicht für Sport begeistern kann, bewegt sich auch im Alltag weniger, erledigt auch kurze Wege mit dem Auto, nimmt den Fahrstuhl statt der Treppe und geht weniger ins Freie.
Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK, sagt: "Dank der Digitalisierung können wir uns viele Wege sparen. Dies führt aber auch dazu, dass der Aktionsradius vieler Menschen immer kleiner wird. Mehr als jeder Dritte bewegt sich im Alltag weniger als eine halbe Stunde. Ein weiteres Drittel bleibt unter einer Stunde. Das ist definitiv zu wenig."
Laut der Bewegungsstudie sitzen die Menschen in Deutschland ihren Alltag buchstäblich aus. Peter Wendt, bei der TK für die Umfragen, zuständig: "Vier von zehn Befragten arbeiten fast ausschließlich im Sitzen. Und obwohl sich gut die Hälfte im Alltag gern mehr bewegen würde, verbringen die Menschen auch in ihrer Freizeit durchschnittlich gut drei Stunden täglich sitzend."
Fehlzeiten-Studie: Mangelnde Bewegung schadet Gesundheit
Diese Entwicklung hat Konsequenzen für die Gesundheit: Parallel zur Bewegungsstudie stellte die TK eine Analyse der Fehlzeiten vor. Sie zeige, dass sich der gesellschaftliche Stillstand bereits auf die Gesundheit auswirkt: 2015 waren die TK-versicherten Erwerbspersonen durchschnittlich 15,4 Tage krankgeschrieben. Das entspricht einem Krankenstand von 4,23 Prozent, dem höchsten seit Beginn der TK-Gesundheitsberichterstattung.
Mit drei Tagen pro Kopf entfällt der größte Anteil dabei auf Krankheiten des Bewegungsapparats. "Dieser Begriff scheint angesichts der Zahlen jedoch etwas überholt", so der TK-Chef. "Zivilisationskrankheiten wie Rückenbeschwerden, Typ2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Beschwerden nehmen zu. Schon bei den 18- bis 39-Jährigen gibt jeder Siebte an, aufgrund einer chronischen Erkrankung in regelmäßiger Behandlung zu sein."
Baas forderte deshalb einen ehrlichen Diskurs über die gesellschaftlichen Folgen: "Es steht uns als Krankenkasse nicht zu, jemandem zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat. Aber die Zunahme lebensstilbedingter Krankheiten hat Folgen für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft, die es finanziert. Und es hat Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Unternehmen, die die steigenden Krankenstände und die damit verbundenen Kosten ebenfalls mitfinanzieren müssen. Darüber müssen wir sprechen."