Der diesjährige Tag der Technischen Orthopädie (TTO) am 30. Oktober 2025 setzte im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) erneut ein starkes Zeichen für die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Hilfsmittelversorgung. Das teilt der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT) mit.
In vier thematisch fokussierten Sitzungen diskutierten rund 100 Fachleute aus Medizin, Orthopädie-Technik und Therapie aktuelle Versorgungskonzepte, Herausforderungen und Innovationen. Der TTO wurde vom BIV-OT gemeinsam mit der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) und der Fortbildungsinitiative ’93 organisiert. Unterstützt wurde er in diesem Jahr auch von der Deutschen Gesellschaft für interprofessionelle Hilfsmittelversorgung (DGIHV) sowie erstmals von der ISPO Deutschland.
„Der Tag der Technischen Orthopädie zeigte eindrucksvoll, wie gelebte Interdisziplinarität neue Impulse für die Hilfsmittelversorgung schafft“, erklärte Prof. Dr. Frank Braatz, 1. Vorsitzender der VTO.
Versorgungspfade gemeinsam gestalten
In der Auftaktsitzung zu „Versorgungsstrategien bei Diabetes und Arthrose“ wurde deutlich, dass der Behandlungserfolg maßgeblich von der engen Zusammenarbeit zwischen Orthopädietechnik, Medizin und Physiotherapie abhängt. Prof. Dr. Markus Walther (Schön Klinik München) hob die Bedeutung gezielter Schuhzurichtungen hervor, die durch biomechanische Modifikationen Schmerzen reduzieren und die Mobilität erhalten können.
Dr. Thomas Werner (Helios Klinikum Erfurt) sprach sich für eine Zentrenbildung zur Versorgung des Diabetischen Fußsyndroms aus und betonte, dass multidisziplinäre Teams die Amputationsrate deutlich senken können.
Anhand praxisnaher Fallbeispiele verdeutlichte Dr. Annette Kerkhoff vom Kompetenzzentrum Orthopädieschuhtechnik (KomZet O.S.T.), dass standardisierte Fußdruckmessungen die Qualität und Vergleichbarkeit der orthopädieschuhtechnischen Versorgung messbar verbessern und Betrieben zusätzliche Sicherheit bieten. Sie empfahl, Druckmessungen in der Orthopädieschuhtechnik als Standardwerkzeug zu nutzen.
Auch in der Spitzfußversorgung bei infantiler Cerebralparese stand die interdisziplinäre Entscheidungsfindung im Fokus. Martin Bauer (POHLIG GmbH) verdeutlichte anhand eines konkreten Patientenbeispiels die Umsetzung einer orthetischen Korrekturversorgung.
Blick auf den paralympischen Spitzensport
Eine weitere Sitzung widmete sich dem Einsatz orthopädietechnischer Innovationen im paralympischen Spitzensport. Dipl.-Ing. (FH) Ingo Pfefferkorn zeigte, wie digitale Technologien, Materialinnovationen und präzise Anpassungen zu Höchstleistungen beitragen – mit Strahlkraft auf die Regelversorgung.
Den Abschluss bildete die Diskussion über integrative Versorgungspfade zwischen operativen und konservativen Behandlungsstrategien. „Operative und konservative Methoden sind keine Gegensätze, sondern komplementäre Elemente eines ganzheitlichen Versorgungskonzepts“, betonte Dipl.-Ing. (FH) Merkur Alimusaj (Universitätsklinikum Heidelberg).
Der nächste TTO findet im Rahmen der 74. Jahrestagung der Vereinigung Süddeutsche Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (VSOU) im April 2026 statt.