14 Prozent der Menschen in Deutschland ab 16 Jahren haben schon einmal eine Videosprechstunde genutzt – 13 Prozent waren es im Sommer 2020, jedoch lediglich 5 Prozent im Jahr 2019. Das geht aus repräsentativen Befragungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor.
Vor allem die 50- bis 64-Jährigen haben demnach die Videosprechstunde für sich entdeckt: Mehr als ein Fünftel aus dieser Gruppe (22 Prozent) hat schon einmal einen digitalen Arztbesuch absolviert. 18 Prozent sind es bei den 16- bis 29-Jährigen und 15 Prozent bei den 30- bis 49-Jährigen. Von den Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren haben allerdings lediglich 3 Prozent schon einmal das Angebot einer Videosprechstunde genutzt.
„Patientinnen, Patienten und medizinisches Personal werden vor Ansteckung geschützt, Fahrtwege und Wartezeiten entfallen – bei bestimmten Krankheitsbildern oder etwa der Besprechung von Testergebnissen bietet die Videosprechstunde oft klare Vorteile gegenüber dem persönlichen Besuch in der Praxis“, ist Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder überzeugt. „Daher ist unverständlich, dass Videosprechstunden weiterhin nur halbherzig geöffnet werden. So sollen Ärztinnen und Ärzte künftig lediglich 30 Prozent ihrer Sprechstunden als Online-Sprechstunden abrechnen dürfen – weitere telemedizinische Beratungen müssen sie auf eigene Kosten durchführen und werden von den Kassen nicht honoriert. Diese Deckelung passt nicht in eine Zeit, in der sich Menschen durch Kontaktbeschränkungen vor Ansteckungen schützen müssen und die medizinische Infrastruktur in ländlichen Regionen immer schwächer wird. Nötig ist eine vollumfassende Gleichstellung von Videosprechstunden mit dem Arztbesuch vor Ort, wie dies z.B. in Frankreich bereits der Fall ist.“
Videosprechstunde: Mehrheit zufrieden
Von denen, die bereits Videosprechstunden genutzt haben, ist die weit überwiegende Mehrheit zufrieden: 53 Prozent beurteilen ihre Erfahrung als „eher gut“ und „43 Prozent als „gut“. Fast alle (95 Prozent) sind der Ansicht, das Angebot an Videosprechstunden solle ausgebaut werden und drei Viertel (74 Prozent) beurteilen die Behandlung als ebenso gut wie eine persönliche Behandlung in der Praxis. 70 Prozent haben die Videosprechstunde genutzt, weil sie sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus im Wartezimmer einer Arztpraxis fürchten. 61 Prozent brauchten möglichst schnell einen ärztlichen Rat und 60 Prozent wollten Wartezeit vermeiden. 31 Prozent nutzen Videosprechstunden aus Bequemlichkeit – und 20 Prozent haben diese aus Neugier ausprobiert.