In Pflegeeinrichtungen der Regionen Hamburg und Langen (Hessen) werden seit Kurzem Patienten im Rahmen des Projekts „Virtualward“ digital-gestützt wie im Krankenhaus versorgt, ohne das Pflegeheim physisch verlassen zu müssen. Die Asklepios Kliniken Nord – Heidberg und Langen haben hierfür gemeinsam mit Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen und dem Telemedizinanbieter Doccla ein sektorenübergreifendes Konzept etabliert. Ziel ist es, physische Klinikaufenthalte zu vermeiden und zugleich eine Versorgung auf stationärem Niveau zu ermöglichen, teilen die Projektpartner mit.
„Das Virtualward-Programm bringt stationäre Krankenhausversorgung direkt in die Pflegeeinrichtung. Patientinnen und Patienten erhalten damit Krankenhausbehandlungen auf klinischem Niveau, ohne das Krankenhaus dauerhaft betreten zu müssen“, erklärt Asklepios CMO PD Dr. med. Sara Sheikhzadeh. Neben regelmäßigen Videovisiten und einer engmaschigen Überwachung der Vitalparameter durch medizinische Geräte vor Ort, erfolgt die Betreuung rund um die Uhr durch Fachärzte der Asklepios Kliniken.
Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt mit rund 2,7 Mio. Euro bis 2027. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav).
Versorgungsqualität sichern
„Für das deutsche Gesundheitssystem ist dieser Ansatz neu“, betont Joachim Gemmel, CEO der Asklepios Kliniken. „Er deutet an, welches Potenzial in der sektorenübergreifenden Versorgung steckt. Besonders in Zeiten steigender Patientenzahlen und knapper Ressourcen im Gesundheitswesen.“
Auch die Krankenkassen sehen in dem Modell eine zukunftsweisende Entwicklung. „Mit Virtualward setzen wir ein klares Signal für die Zukunft der Gesundheitsversorgung“, so Dr. Susanne Klein, Landesgeschäftsführerin der Barmer Hamburg. „Die Kombination aus digitalen Technologien und persönlicher Betreuung schafft eine neue Versorgungsform, die Patientinnen und Patienten dort erreicht, wo sie sich am wohlsten und sichersten fühlen: im gewohnten Umfeld.“
Die Vorteile liegen laut den beteiligten Partnern auf der Hand: weniger belastende Krankenhausaufenthalte, höhere Lebensqualität für Pflegebedürftige, eine engere Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen und Kliniken – und nicht zuletzt eine effizientere Nutzung medizinischer und pflegerischer Ressourcen.
„Virtualward hat das Zeug zum Gamechanger“, urteilt Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbands. „Weil knappe Ressourcen im Gesundheitssystem effizienter und zielgerichteter eingesetzt werden können.“
Aktuell läuft das Projekt in mehreren Pflegeeinrichtungen in Hamburg und Hessen. Perspektivisch könnten bis zu 800.000 Pflegeheimbewohner bundesweit von der neuen Versorgungsform profitieren.