Mit dem Änderungsantrag Nr. 6 zum § 360 SGB V der Fraktionen CDU, CSU und SPD soll der verpflichtende Anschluss von Heil- und Hilfsmittelerbringern an die Telematikinfrastruktur (TI) vom 1. Januar 2026 auf den 1. Oktober 2027 verschoben werden. Der Verband Versorgungsqualität Homecare e. V. (VVHC) sieht darin eine verpasste Chance für mehr Digitalisierung und Bürokratieabbau im Gesundheitswesen.
„Jede weitere Verzögerung beim Anschluss der Versorgungspartner an die Telematikinfrastruktur bremst den digitalen Fortschritt, von dem Ärztinnen und Ärzte, Leistungserbringer, Kostenträger und vor allem die Patientinnen und Patienten profitieren würden“, erklärt Dennis Giesfeldt, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Politik, Versorgungsmanagement und Digitalisierung beim VVHC.
Der Verband betont, dass bereits funktionierende Pilotprojekte im Hilfsmittelbereich zeigen, wie der digitale Verordnungsprozess erfolgreich umgesetzt werden kann. Durch die geplante Fristverlängerung werde jedoch der bestehende Digitalisierungsrückstand im ambulanten Bereich weiter zementiert.
Gefahr technischer Übergangslücken
Besonders kritisch bewertet der VVHC die zeitliche Diskrepanz zwischen der verpflichtenden Ausstellung von E-Rezepten für Hilfsmittel ab dem 1. Juli 2027 und dem späteren TI-Anschluss der Leistungserbringer zum 1. Oktober 2027. Hier drohe eine Übergangslücke, in der die digitalen Verordnungen technisch nicht angenommen werden können.
Auch die Kommunikationsanwendung KIM sei aus Sicht des Verbandes ein wesentlicher Bestandteil digitaler Prozesse und müsse gemeinsam mit dem E-Rezept gedacht werden. Der VVHC fordert daher abgestimmte Fristen, klare Rahmenbedingungen und zeitnahe Möglichkeiten zur freiwilligen Anbindung an die TI.
„Nur mit einer verlässlichen, abgestimmten und verbindlichen Umsetzung kann das Ziel einer modernen, digital vernetzten Versorgung erreicht werden“, so Geschäftsführer Norbert Bertram. Der Verband appelliert an den Gesetzgeber, den GKV-Spitzenverband, das Bundesministerium für Gesundheit sowie die Gematik, den TI-Ausbau im Hilfsmittelbereich aktiv zu fördern.