Dr. Peter Heilberger ist Experte auf dem Gebiet der Gefäßmedizin und kennt die Probleme von Venenpatienten mit Begleiterkrankung Diabetes aus seiner Praxis: „Diese Patienten leiden vor allem an den Beinen unter Schwellungen, unterversorgter oder trockener Haut, sowie herabgesetztem Druck- und Schmerzempfinden“, informiert der Mediziner in einer Mitteilung des Kompressionsstrumpf-Spezialisten Medi anlässlich des Welt-Diabetestages im vergangenen November. „Daraus ergeben sich besondere Anforderungen, die Kompressionsversorgungen erfüllen müssen. Druckspitzen im Bereich des Fußes müssen ebenso vermieden werden wie Einschnürungen im Abschlussbereich. Dennoch sollte der Kompressionsstrumpf nicht rutschen. Wichtig ist zudem ein optimales Verhältnis zwischen Ruhe- und Arbeitsdruck.“
Lange war der Einsatz von medizinischen Kompressionsstrümpfen bei Patienten mit chronischen Venenerkrankungen und Diabetes mellitus umstritten – im Kontext der Kompressionstherapie galten sie als Risikopatienten. Denn medizinische Kompressionsstrümpfe haben einen graduierten Druckverlauf mit dem höchsten Druck im Fesselbereich – ein besonders sensibler Bereich bei Patienten mit Diabetes mellitus. Auch die Füße und Zehen sind besonders gefährdet, da diese bei Diabetikern häufig weniger gut durchblutet sowie druck- und schmerzempfindlich sind. Die Befürchtung war, es könnten an diesen Stellen Druckspitzen durch den Kompressionsdruck entstehen und die Durchblutung in den kleinsten Blutgefäßen weiter beeinträchtigen. Heute weiß man: Diabetiker können von einer sicheren und wirkungsvollen Therapie profitieren, sofern die arterielle Durchblutung nicht zu stark eingeschränkt und die richtige Kompressionsstärke gewählt ist.
„Werden die Kontraindikationen beachtet, wie die fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit sowie das Diabetische Fußsyndrom, können auch Diabetiker mit medizinischen Kompressionsstrümpfen versorgt werden. Wichtig ist die Wahl der richtigen Kompressionsklasse: Der Kompressionsstrumpf sollte die Kapillardurchblutung im Bereich der Hauptgefäße nicht einschränken. Eine Kompressionsversorgung der Klasse I ist meist vertretbar – bei guter Durchblutung kann auch Klasse II erwogen werden. Hier sollte aber immer der Arzt konsultiert und eine entsprechende klinische Untersuchung vorgenommen werden.“
Dr. Peter Heilberger
Um die Adhärenz für medizinische Kompressionsstrümpfe zu erhöhen, gibt der Experte zwei Tipps aus seiner langjährigen Erfahrung: „Zu empfehlen ist, anfangs mit einer niedrigen Kompressionsklasse zu starten. Sollte die Schwellung weiter bestehen, kann die Kompressionsklasse stufenweise erhöht werden. Und vor allem bei Männern haben Knieversorgungen eine höhere Akzeptanz als Strumpfhosen.“