Ohne weitere Stabilisierungsmaßnahmen sind dort, aber auch in anderen Zweigen der Sozialversicherung, kräftige Beitragssatzsteigerungen absehbar. Das geht aus Berechnungen des IGES Instituts für die DAK-Gesundheit hervor.
Zu Beginn des Jahres 2026 stieg der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf 17,7 Prozent, inklusive eines durchschnittlich erhobenen Zusatzbeitragssatzes von 3,13 Prozent. Nach IGES-Berechnungen ist der aktuell erhobene Zusatzbeitrag höher als der rechnerisch ausgabendeckende Zusatzbeitrag (2,93 Prozent), was vor allem dem fortgesetzten Rücklagenaufbau vieler Kassen geschuldet ist.
Ab 2027 laufen das für 2025 und 2026 gewährte Bundesdarlehen sowie die dämpfenden Effekte des sogenannten kleinen Sparpakets der Bundesregierung aus, während zusätzliche Ausgaben etwa für Krankenhäuser und Apotheken anfallen und die Leistungsausgaben weiter kräftig zunehmen dürften. Für das Jahr 2027 beziffern die IGES-Experten den noch ungedeckten Finanzbedarf der GKV auf knapp 12 Mrd. Euro. Dies entspräche ohne weitere Gegenmaßnahmen einem Beitragssatzanstieg in der GKV um etwa sechs Zehntel Prozentpunkte auf 18,3 Prozent.
In den Folgejahren öffnet sich der Projektion zufolge die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen weiter. 2035 könnte der Beitragssatz bei mittlerer Entwicklung der beitragssatzrelevanten Einflussfaktoren wie etwa der Lohn- oder Wirtschaftsentwicklung und ohne Gegenmaßnahmen bei 20,6 Prozent liegen. Bei ungünstiger Entwicklung könnten es sogar 23 Prozent sein.
Auch die soziale Pflegeversicherung (SPV) steht vor deutlichen finanziellen Belastungen: Dort könnte der Beitragssatz bereits 2027 um knapp drei Zehntel auf 4,1 Prozent steigen, weil die Wirkung von Bundesdarlehen ausläuft und die Zahl der Pflegebedürftigen weiter zunimmt. Der errechnete Finanzbedarf beläuft sich den Berechnungen nach auf 5,5 Mrd. Euro.
Ab dem Jahr 2035 können Auszahlungen aus dem Pflegevorsorgefonds zur Beitragssatzstabilisierung eingesetzt werden. Mit diesen kann der Beitragssatz allerdings erst am Ende des Projektionszeitraums stabilisiert werden. Bis dahin wird er im Basisszenario weiter bis auf knapp 5 Prozent ansteigen. Nur bei günstiger Entwicklung der Rahmenbedingungen würde ein weiterer Anstieg in den 2030er Jahren weitgehend vermieden, bei ungünstigem Verlauf hingegen wäre mit einem Anstieg auf 5,7 Prozent im Jahr 2035 zu rechnen.
Die IGES-Autoren betonen, dass es sich um szenarienbasierte Projektionen handelt, die auf der Annahme beruhen, dass keine zusätzlichen Maßnahmen zur nachhaltigen Stabilisierung der Finanzentwicklung ergriffen werden. Sie sollen den Handlungsbedarf zeigen. So ließe sich dem für 2027 erwarteten Beitragsanstieg in der GKV durch eine stärker einnahmenorientierte Ausgabenpolitik entgegenwirken.