Gut 100 Tage im Jahr schult Mattis Hohmann, Orthopädietechniker-Meister und Trainer an der Bauerfeind-Akademie, zu Bandagen, Orthesen und Einlagen des Herstellers aus Zeulenroda. Meist zum Thema Rücken. Seine Schüler sind Fachkollegen, aber auch Quereinsteiger im Fachhandel, Ärzte, Therapeuten und Außendienst-Mitarbeiter. Sie kommen aus Deutschland und der Welt. Was bewegt die Teilnehmer als Versorger? Welche Fragen stellen sie und welche Tipps hat er für die Leistung am Patienten?
GP: Herr Hohmann, seit 2018 sind Sie Trainer an der Bauerfeind-Akademie. Wie arbeiten Sie aktuell?
Mattis Hohmann: Wir bieten seit der Pandemie viele Onlineschulungen an. Dieses Jahr gab es sogar eine digitale Großveranstaltung in der Trainingswoche für unsere Tochtergesellschaften und Distributoren. In der Spitze hatten wir 130 Teilnehmer auf einmal dabei von Singapur über die Mongolei bis in die USA. Aber der praktische Teil speziell bei Rückenversorgungen geht nur mit Präsenz. Hier müssen die Teilnehmer selbst spüren, was bei einer Krafteinleitung im Rücken passiert, um das Produkt richtig verstehen und anwenden zu können. Dafür haben wir ein striktes Hygienekonzept ausgearbeitet, um risikofrei trainieren zu können.
GP: Neben dem Spüren und Verstehen – was wollen die Teilnehmer von Ihnen wissen?
Hohmann: Das hängt von ihrem Hintergrund ab. Den OT-Techniker interessiert meist das konkrete Anpassen. Hier zeige ich, mit welchen Handgriffen sie unsere Rückenprodukte für den Patienten passgenauer machen können. Unsere Orthesen aus der Spinova- und aus der Loc-Familie sind zwar schon anatomisch vorgeformt, aber durch das Kürzen von Gurten und Polstern oder das Anbiegen von Aluminium-Bauteilen gibt es einen entscheidenden Unterschied beim täglichen Tragen. Ärzte hingegen fragen zuerst nach Studien, dann welches Rückenprodukt zu welcher Indikation passt und was zu wählen ist, wenn Indikationen sich überschneiden. Im Handel ist besonders für Ein- und Quereinsteiger die richtige Größenbestimmung ein Thema, zum Beispiel, wenn der Patient zwischen zwei Größen liegt.
GP: Wo liegen die größten Herausforderungen in der Praxis?
Hohmann: Ganz klar in der Patienten-Compliance, weshalb das Handling sehr wichtig ist. Mein Rat: Beziehen Sie Patienten in die Versorgung intensiv ein, erklären Sie und fragen Sie nach. Probieren Sie die Rückenbandage oder Rückenorthese zuerst selbst aus, dann wissen Sie, wie es sich anfühlt und können das Patienten-Feedback besser einordnen. Dazu empfehle ich, das Produkt beim ersten Mal gemeinsam vor einem Spiegel anzulegen. So sieht sich der Patient dabei und ein falscher Handgriff kann gut korrigiert werden.
GP: Gibt es jetzt mehr Rückenpatienten als vor der Pandemie?
Hohmann: Definitiv kann ich es nicht sagen, aber ich sehe einen direkten Zusammenhang zwischen Homeoffice-Arbeitsplätzen und Rückenproblemen. Sitzen ist der Einstieg in den Rückenschmerz-Teufelskreis. Aber neue Statistiken belegen, dass Patienten mit Bandagen und Orthesen weniger Schmerzmittel brauchen und Berufstätige schneller wieder arbeitsfähig sind. Das zeigt doch, wie sinnvoll eine orthopädietechnische Rückenversorgung ist und was sie bewirken kann.
Das komplette Interview finden Sie in der April-Ausgabe von GesundheitsProfi.