Die Boutique „In petto“ in Berlin legt seit April 2018 ihren Schwerpunkt auf die Beratung, Versorgung und Begleitung von Frauen mit Brustkrebs. Hinter dem Konzept steht die Hempel Gesundheitspartner GmbH aus Berlin. Am 1. März eröffnet der Sanitätshaus-Filialist einen zweiten Standort in Berlin-Mitte nicht unweit der Charité. GP hat mit Kristina Böhm, Fachbereichsleitung Brustprothetik beim Sanitätshaus Hempel, über „in petto“ sowie die Herausforderungen des Versorgungsalltags gesprochen.
Frau Böhm, wie hat sich Ihr Geschäft seit der Eröffnung im April 2018 entwickelt?
Kristina Böhm: Wir erfahren jeden Tag Zuspruch und bejahendes Feedback. Das Geschäft wird gut angenommen und entwickelt sich sehr positiv. Monatlich finden durchschnittlich etwa 35 Neukundinnen den Weg zu uns, teils durch Empfehlungen der Fachärzte, teils durch Empfehlungen von anderen betroffenen Frauen, andere Hempel-Filialen oder das Internet.
„Petto“ kommt aus dem Italienischen und heißt übersetzt Brust bzw. Busen. „Avere in petto“ bedeutet „etwas im Herzen, im Sinn haben“. Warum haben Sie sich für diesen Namen entschieden?
Böhm: Ich habe einen Namen mit Bezug zum Thema gesucht. Deshalb der Begriff Brust im Namen. Da die Brust- und Lymphversorgungen für uns eine Herzensangelegenheit sind und sich – was die Beratung betrifft – von ,banalen‘ Einlagen- oder Bandagen-Versorgungen sehr abheben, sollte sich dies auch im Namen widerspiegeln. Außerdem bedeutet „etwas in petto haben“ etwas vorrätig, also noch ein Ass im Ärmel haben. Wir haben viel Erfahrung mit den Produkten und in der Versorgung und führen außerdem ein sehr viel größeres Sortiment als jede Fachabteilung eines Sanitätshauses.
Vor allem am Anfang der Corona-Pandemie scheuten die Menschen den Besuch beim Arzt. Gilt das auch für Brustkrebs-Patientinnen? Haben Folgeerkrankungen wie das Lymphödem zugenommen?
Böhm: Wir haben anfangs einen Rückgang der Terminanfragen gespürt. Die Kundinnen wollten nicht zu Ärzten gehen und auch nicht die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Die Diagnose Lymphödem hat auf jeden Fall zugenommen – vor allem im Bereich des Armlymphödems sowie des Brust/Thorax-Ödems. Ich nehme an, dass Seminare innerhalb der Ärzteschaft das Spezialwissen auf diesem Gebiet erhöhen.
Die Zusammenarbeit mit den Ärzten funktioniert somit problemlos?
Böhm: Leider nein. Manchmal wird auf den Rezepten nur der BH verordnet, und es fehlt die Prothese. Oder umgekehrt. Wir erfahren aber, dass die Änderung von Rezepten durch die Praxis unproblematisch abläuft, und die Verordner dankbar sind, wenn wir sie bei der Formulierung und Ausstellung der Rezepte unterstützen. Die Aufklärung der Ärzte ist uns daher ein großes Anliegen.
Aber die Verordnungen kommen von Fachärzten. Die müssten sich doch auskennen? Brustkrebs ist ja leider keine seltene Erkrankung.
Böhm: Stimmt. Doch für die Gynäkologen stellen Brustkrebspatientinnen im Vergleich zu allen schwangeren Frauen gleichwohl eine Randerscheinung dar. Die Ärzte wissen wenig über die Hilfsmittel sowie den Erstattungsanspruch der Betroffenen.
Manche Frauen sind regelrecht verärgert, wenn wir ihnen sagen, dass sie zweimal jährlich Anspruch auf einen Spezial-BH haben: „Warum sagt mir das denn keiner?“ Vor allem die Hersteller müssen die Ärzte in dieser Hinsicht weiter aufklären. Das wünschen wir uns auf jeden Fall.
Kristina Böhm, Fachbereichsleitung Brustprothetik beim Sanitätshaus Hempel
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kliniken?
Böhm: Ich habe alle Brustzentren in Berlin persönlich besuchen und unser Konzept vorstellen wollen. Einige hatten kein Interesse. Andere haben mich empfangen, wollten aber keine Flyer oder sonstige Unterlagen behalten. Zwei, drei Kliniken empfehlen uns ganz explizit und fordern auch regelmäßig Broschüren und Visitenkarten von uns an. Mit zwei Kliniken arbeiten wir eng zusammen, da wir dort auch die Erstversorgung auf Station übernehmen. Trotzdem läuft nicht immer alles so, wie es laufen sollte.
Inwiefern?
Böhm: Manchmal werden unsere Außendienst-Mitarbeiterinnen direkt nach der OP ins Krankenhaus gerufen. Das macht natürlich gar keinen Sinn. Die Patientinnen sind noch in einem Dämmerzustand und nicht aufnahmefähig. Häufig sind sie außerdem nicht auf ihrem Zimmer, wenn wir kommen. Dann müssen wir sie erst suchen. Die Klinikarbeit und die Kommunikation mit uns als Leistungserbringer läuft leider häufig ein wenig chaotisch.
Das komplette Interview lesen GP-Abonnenten in der Februar-Ausgabe von GesundheitsProfi.