Internes Netzwerk
Interessant: Der übergreifende Versorgungsansatz spiegelt sich auch in den verschiedenen beruflichen Hintergründen der drei Berater wider. Olaf Nill ist gelernter Krankenpfleger, Andreas Trodler Physiotherapeut und Moritz Göhring Sportwissenschaftler. Für Trodler ist diese Vielfalt eine Bereicherung. „Man kann nicht in allem perfekt sein. Daher sind für uns die unterjährigen Qualitätszirkel enorm wichtig. Wir gehen auf die Schlaganfall-Hilfe zu und sagen, welche Themen uns umtreiben.“ Die Bandbreite reicht dabei von Rehasport über den Umgang mit Spastizität bis zur Selbsterfahrung von Betroffenen. Außerdem stecke in dem Netzwerk aus über 30 zertifizierten Häusern jede Menge Know-how, um voneinander zu lernen.
„Der entscheidende Faktor ist, als Unternehmen in der Versorgung breiter zu denken“, hebt Olaf Nill hervor. In die Schlaganfallversorgung seien je nach Betroffenem Reha- und Orthopädietechniker sowie Homecare-Fachkräfte eingebunden. Allesamt Spezialisten, die ihren Bereich im Fokus hätten. „Die grundlegende Verbesserung in der Patientenversorgung besteht daher darin, dass bereichsübergreifend gedacht wird. Die Weiterbildung zum Neuro-Fachberater öffnet den Blick für die interne Kommunikation.“ Strukturiert werde die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen über einen Erhebungsbogen mit definierten Kriterien, in dem der Bedarf ermittelt und der Betroffene – falls notwendig – im Haus an die jeweiligen Spezialisten weitergeleitet werde.
Die Schlaganfall-Fachberatung liege nicht allein in einer Hand, da kein Mitarbeitender das gesamte Versorgungsspektrum abdecken könne. Die Spezialisten benötigten Basiswissen und müssten im Falle eines Falles auf weitere Ressourcen zurückgreifen, so Nill.
„Die Frage ist, ob Unternehmen diese übergreifende Denkweise überhaupt zulassen“, ergänzte Moritz Göhring. Er kenne Häuser, in denen die Fälle nur abgearbeitet würden und die Betroffenen dann überhaupt nicht wüssten, wie Hilfsmittel richtig eingesetzt werden. „Und das ist sehr schade.“ Daher bezeichnete er die Verpflichtung, interne Schulungen durchzuführen, als positive Vorgabe der Deutschen Schlaganfall-Hilfe.
Der Aufwand, den die Unternehmen betreiben, darf nicht unterschätzt werden. Es sei „knochenharte Arbeit“, das interne Netzwerk am Laufen zu halten, so Olaf Nill. Denn alle Spezialisten seien den ganzen Tag über voll eingespannt in die Patientenversorgung. Dem gegenüber stehe aber auch ein großer Benefit. „Die Hilfsmittelversorgung läuft reibungsloser. Wir haben weniger Friktionen – und die Kunden sind zufriedener.“