Wenn ich in 20 Jahren auf diese Zeit zurückblicke, dann hoffe ich, dass wir sagen können: Das war der Moment, in dem wir den 3D-Druck nicht mehr als faszinierende Technologie bestaunt, sondern als selbstverständliches Werkzeug genutzt haben. Ein Werkzeug, das nicht nur Produkte, sondern ganze Branchen – und das Leben von Menschen – verändert hat. Gerade im medizinischen Bereich erleben wir derzeit eine stille, aber tiefgreifende Revolution. Additive Fertigung ermöglicht heute schon patientenspezifische Implantate, individuell angepasste Orthesen und Prothesen, ja sogar biokompatible Strukturen für die regenerative Medizin. Was früher teuer, unflexibel oder schlicht unmöglich war, wird heute Realität – oft direkt am Point of Care, im Hospital oder am Patienten.
Doch diese Transformation ist kein isoliertes Phänomen. Sie ist Teil einer viel größeren Bewegung, die sich quer durch die Industrie zieht: In der Luft- und Raumfahrt werden durch AM Bauteile leichter, effizienter und nachhaltiger. In der Automobilbranche entstehen neue Designfreiheiten für E-Mobilität und Individualisierung. Und im Maschinenbau ermöglicht die additive Fertigung eine neue Generation von Funktionsteilen, Werkzeugen und Ersatzteilen – oft on demand und lokal produziert.
Und noch viele andere Industrien profitieren vom Einsatz der additiven Fertigung. Was all diese Bereiche verbindet, ist nicht nur die Technologie, sondern der Wandel im Denken: weg von starren Lieferketten, hin zu flexiblen, digitalen Produktionsökosystemen. Weg von Massenfertigung, hin zu maßgeschneiderten Lösungen – ob für ein Flugzeugtriebwerk oder eine Wirbelsäulenstütze. Die Formnext ist dabei nicht nur Messe, sondern Plattform und Impulsgeber. Hier treffen sich die klügsten Köpfe aus der additiven Welt, die fAMily.
Ich sehe heute schon, wie sich die Grenzen zwischen Branchen auflösen, wie interdisziplinäre Teams Innovationen vorantreiben, die vor wenigen Jahren noch Science-Fiction waren. Wenn wir also in 20 Jahren zurückblicken, dann erkennen wir den Erfolg dieser Transformation nicht an Maschinen oder Marktanteilen. Sondern an Geschichten. An Menschen, die dank additiver Fertigung wieder gehen, greifen, leben konnten – besser, länger, selbstbestimmter. Und an Unternehmen, die durch AM resilienter, nachhaltiger und innovativer geworden sind.
Und vielleicht erinnern wir uns dann auch an eine Guided Tour auf der Formnext, bei der ein Fachverlag zum ersten Mal dachte: Das ist nicht nur Zukunft. Das ist meine Zukunft.
Über den Autor:
Sascha F. Wenzler ist Vice President der Messe Formnext in Frankfurt. Dort tauschen sich nationale und internationale Akteure zum Thema Additive Fertigung aus.