GesundheitsProfi: Wie ist 3D-Up! entstanden?
Marco Hoffmann: 3D-Up! ist eine Konstruktionssoftware für Sanitätshäuser, die in die digitale Fertigung einsteigen wollen oder bereits Erfahrung gesammelt haben und sich intuitivere Prozesse wünschen. Das Unternehmen wurde 2022 von Stefan Biller, Stephan Morth und mir gegründet, nachdem wir gemerkt hatten, dass unsere intern entwickelte Software so gut ist, dass man sie auch anderen anbieten kann. Auf der OTW 2022 hatten wir dann einen Gemeinschaftsstand, unter anderem mit der PFH-Göttingen, wo es um Micro-Factory ging.
Dieses Jahr präsentieren Sie 3D-Up! auf der OTWorld in Leipzig an gleich zwei Ständen? Was kann man wo sehen und testen?
Marco Hoffmann: Genau, dieses Jahr sind wir mit 3D-Up! auf der OTWorld an zwei Messeständen vertreten. In der Area für 3D-Druck zeigen wir zusammen mit Druckerfachmann, Curelab, HP und Formlabs den gesamten digitalen Workflow. Zudem wollen wir ein spezielles Abo-Modell vorstellen, dass wir in den vergangenen Monaten gemeinsam mit Druckerfachmann und CureLab konzipiert haben. So möchten wir den Sanitätshäusern die Möglichkeit bieten, ein flexibles Abo-Paket für die gesamte Wertschöpfungskette abzuschließen und sich die Expertise ins Haus zu holen. Dazu gehört auch eine Einführung in die Scan-Technik, die 3D-Up! Software, der 3D-Druck und die Materialkunde. Dies läuft über Druckerfachmann, die mit Dennis Opielka einen ausgesprochenen Experten im Haus haben. Wir stellen die Software zur Verfügung und Dennis Schindeler mit CureLab den 3D Druck. Das Ziel ist, dass auch kleinere Häuser mit einem kalkulierten Invest in die additive Fertigung einsteigen können. Mit einer fixen Kalkulation im Monat können die Unternehmen dann entscheiden, ob das eine Lösung für sie darstellen könnte. Was bringt mir die Technologie? Welchen Umsatz und wie viele gedruckte Hilfsmittel kann ich erwarten? Das werden wir auf dem Stand in Leipzig ausführlich erklären. Zudem stellen wir mit Basko Healthcare zusammen aus, da wir eine gemeinsame Kooperation haben. Wir arbeiten in unserer Software mit den Gelenken für Neuroorthetik von Basko. So kann mit 3D-Up! auch Konstruktionen mit aufwendigen Gelenken produzieren. Zusätzlich stellen wir gemeinsam mit Basko erste additiv gefertigte Produkte vor, die wir über eine eigens Entwickelten Plattform zukünftig in Servicefertigung anbieten werden. Es gibt also viel Neues bei uns.
Wie funktioniert 3D-Up!?
Marco Hoffmann: 3D-Up! läuft als Pay per Use-Variante, sprich, man kann sich auf der Homepage registrieren und dann sofort loslegen. Der Kunde lädt seinen Scan hoch und fängt an, seine Orthese zu konstruieren. Am Ende hat er eine druckfähige Datei, die er herunterladen und selber drucken oder an einen Dienstleister senden kann. In der Anwendung gibt es eine Verwaltungsoberfläche, wo Anwender ihre Daten und Projekte im Blick haben. Jede einzelne Druckdatei können sich Anwender gegen Cash herunterladen. Auf der OT-World werden wir zusätzlich zum bisherigen pay per use Konzept auch verschiedene Pakete anbieten, mit dem man einen gewissen Paket-Vorteil hat im Sinne von integrierter Downloadanzahl. Man kann die Dateien, die man heruntergeladen hat, natürlich auch nach der Beendigung des Bestellprozesses, für Korrekturen, weiter in der Konstruktion nutzen. Die Kostenstruktur ist dann nach Aufwand gestaffelt. Unser Preismodell, den „3D-Up! Flightplan“ stellen wir auf der OT World vor.
Haben Sie ein Beispiel?
Marco Hoffmann: Eine einfache Lagerungsorthese ist natürlich günstiger als kompliziertere oder hochpreisigere Konstruktion. Die Grunddatei inkl. Modellierung kostet zirka 20 Euro, der Preis kann aber auch bis 80 Euro hochgehen. Dafür bekomme ich die Datei und kann dann entscheiden, was ich mit ihr machen möchte. Die Datei bleibt bei uns gespeichert, die Kunden können jederzeit darauf zugreifen oder auch Änderungen vornehmen.
Seit neustem können sie ihre Produkte sogar über uns bei Curelab drucken lassen. Dabei können die Kunden über unsere Übersicht bei 3D-Up! im Blick behalten, was gerade von Curelab gedruckt wird. Sollte man bei der Anwendung mal nicht weiterwissen oder feststecken, gibt es eine Chatfunktion, mit der wir Hilfe leisten können. Eine Besonderheit von 3D-Up! ist die Funktion „flexFIT“ Hiermit ist es möglich bei Konstruktions-oder Passformproblemen, also wenn das Hilfsmittel nach der Probe mit dem Patienten nicht ausreichend gut sitzt oder zu Druckstellen führt, zurück ins Ursprungmodell zu springen, um es neu anzupassen. Tut man dies, ändert sich auch automatisch die konstruierte Orthese, egal wie aufwendig die Konstruktion ist, beispielswiese auch mit Gelenken oder Verschlüssen. Man muss also nicht neu konstruieren und spart so Zeit und Aufwand. Damit sind wir nach unserem Wissensstand die einzige Software-Anwendungen für die Orthopädietechnik, die dies ermöglicht, und darauf sind wir stolz!
Für wen lohnt sich 3D-Up!?
Marco Hoffmann: 3D-Up! lohnt sich für Häuser, die sich keine hohen Lizenzgebühren leisten möchten, weil sie zb. zu wenig Versorgungen haben. Es lohnt sich aber auch für größere Häuser, die den gesamten Prozess in einer Anwendung haben möchten. Das geht von den Patientenmaßen bis hin zur fertigen Druckdatei. Das ist mit einer teuren CAD-Lösung, die dann beispielsweise nur auf einem Arbeitsplatz im Unternehmen läuft, nicht umzusetzen. 3D-Up! ist ein Tool, das ganz anders einsetzbar ist als eine Einzel-Lizenz-Lösung. Man merkt in unseren Gesprächen, dass Konstruktionsabteilungen in größeren Unternehmen, die mit CAD-Systemen arbeiten, nicht so effektiv sein können, weil ihnen Automatisierungen fehlen oder die Schnittstelle zu den Technikerinnen sehr mühsam und zeitaufwenig ist. Wir müssen für die individuellen Hilfsmittel eine Menge Daten sammeln und übergeben. Mit 3D-Up! laufen die Übergaben von Informationen wesentlich flüssiger. Dabei sind unserer Erfahrung nach 80% der täglichen Versorgungen eines Orthopädietechnikunternehmens zukünftig über unsere Plattform machbar, für die restlichen 20 Prozent braucht es sicher eine spezialisiertere CAD- Software. Den großen Teil der alltäglichen Versorgungen können wir standardisieren und automatisieren – dafür ist 3D-Up! die ideale Lösung.