Am 7. März 2026 fand das 5. Münsteraner Gefäß-Symposium unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. med. Tobias Görge statt. Mit rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bot die Veranstaltung eine Plattform für den Austausch zwischen Expertinnen und Experten aus Phlebologie, Angiologie und Lymphologie. Thematisch standen unter anderem Gefäßchirurgie, aktuelle Therapieansätze sowie innovative Versorgungskonzepte und seltene Fallbeispiele aus der klinischen Praxis im Fokus.
Zum Auftakt der Vortragsreihe erläuterte Prof. Dr. med. Birgit Kahle die besondere Interdisziplinarität der Phlebologie und betonte die Bedeutung zielgerichteter, therapieorientierter Ansätze für eine optimale Patientenversorgung. Dr. med. Carolin Mitschang stellte anschließend anhand praxisnaher Fallbeispiele diagnostische Überlegungen zur oberflächlichen Venenthrombose vor. Prof. Dr. med. Rolf Mesters ging auf therapeutische Besonderheiten bei proximaler Beinvenenthrombose ein und verwies darauf, dass eine Antikoagulation zwar essenziell sei, jedoch mögliche Kontraindikationen wie Niereninsuffizienz, Schwangerschaft oder hormonelle Kontrazeption berücksichtigt werden müssten.
Auch arterielle Erkrankungen standen im Fokus. Prof. Dr. med. Nasser Malyar berichtete über eine steigende Zahl von Patientinnen und Patienten mit arteriellem Ulcus und verwies auf Studien, die einen Anstieg ischämischer Erkrankungen, pAVK und Diabetes belegen. Zur Verbesserung von Mobilität und Gehstrecke stellte er das Bewegungstraining nach der 3x3x3-Regel vor.
Kompression als Basis der Therapie
Ein weiterer Themenblock widmete sich konservativen und chirurgischen Behandlungsoptionen. Dr. med. Ngoc Quan Phan gab einen Überblick über verschiedene Ansätze der Narbentherapie und verglich Kompressionstherapie, ablative Laserabtragung und Microneedling. Eine universelle Therapieform gebe es nicht – vielmehr müssten Behandlungen individuell angepasst und häufig kombiniert werden.
Dr. med. Eva Gkogkolou erläuterte therapeutische Möglichkeiten bei venösen Erkrankungen wie Besenreisern und betonte die Bedeutung einer umfassenden Patientenaufklärung. Ergänzend erklärte Dr. med. Jasmin Woitalla-Bruning, dass sich bei Varikosen und chronisch venöser Insuffizienz konservative und operative Verfahren sinnvoll ergänzen können. Invasive Maßnahmen, Kompressionstherapie und medikamentöse Ansätze stünden dabei nicht in Konkurrenz zueinander. Die Kompressionsversorgung bleibe die Basistherapie zur Verbesserung der venösen Hämodynamik.
Weitere Programmpunkte widmeten sich seltenen Krankheitsbildern und zukünftigen Versorgungskonzepten. Thomas Fleischhauer, M. Sc., Gewinner des Juzo Forschungspreises Phlebologie 2025, stellte sein Projekt „Ulcus Cruris Care“ vor. Ziel sei es, Ärztinnen, Ärzte und Betroffene stärker für den Stellenwert der Kompressionstherapie zu sensibilisieren. Dabei könnten auch medizinisch adaptive Kompressionssysteme eingesetzt werden, die eine individuelle Druckanpassung in allen Therapiephasen ermöglichen. Prof. Dr. med. Stefanie Reich-Schupke bestätigte den Nutzen dieser Systeme und verwies darauf, dass sie budgetneutral verordnungsfähig sind.
Im abschließenden Themenblock zur Lymphologie präsentierte Prof. Dr. med. Claus C. Pieper das Bildgebungsverfahren der MR-Lymphangiographie, das insbesondere bei der Differentialdiagnose unklarer Ödeme oder zur Beurteilung des Lymphabstroms eingesetzt wird. Dr. med. Hans-Jürgen Wilmer stellte operative Verfahren bei sekundären Lymphödemen vor und erläuterte kombinierte rekonstruktive und ableitende chirurgische Ansätze mit anschließender Liposuktion. Abschließend präsentierte Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely neue Perspektiven für Lipödem-Betroffene auf Basis des G-BA-Beschlusses. Prof. Görge verabschiedete die Teilnehmenden mit einer Einladung zum 6. Münsteraner Gefäßsymposium am 6. März 2027.