Der 15. Bochumer Lymphtag bot auch in diesem Jahr ein hochkarätiges Programm zu einem der komplexesten Themenfelder der medizinischen Versorgung. Unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. med. Markus Stücker und moderiert von Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely widmete sich das Symposium den Ursachen, Diagnoseverfahren und zunehmend individualisierten Therapieansätzen bei lymphologischen Krankheitsbildern.
Ein zentrales Thema war das glymphatische System – das Lymphsystem des Gehirns. Prof. Dr. rer. nat. Dieter Blottner erläuterte, dass Störungen in diesem System möglicherweise mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Tinnitus in Verbindung stehen könnten. In einem weiteren Programmpunkt beleuchtete Prof. Dr. med. Claus C. Pieper die Potenziale moderner Bildgebung, insbesondere der MR-Lymphangiographie, bei der Darstellung tiefliegender Lymphödeme.
PD Dr. med. Max Liebl stellte medizinische adaptive Kompressionssysteme (MAKs) als flexible Komponenten der Erhaltungstherapie vor. Seine Ausführungen zu möglichen Zusammenhängen zwischen Tätowierungen und lymphologischen Veränderungen stießen auf besonderes Interesse – auch wenn die Datenlage hierzu noch nicht abschließend ist. Weitere Vorträge thematisierten die besondere Versorgung von Kindern, internistisch bedingte Ödeme sowie Schmerzsyndrome wie CRPS, bei denen Kompressionstherapie nicht immer möglich ist.
Kombinierte Therapien und neue Forschung im Fokus
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Lymphödemen im onkologischen Kontext. Dr. med. Clemens Liebrich betonte die Bedeutung interdisziplinärer Nachsorge bei Patientinnen nach gynäkologischen Krebsoperationen. Dr. med. Ines Tinhofer stellte hybride chirurgische Verfahren vor, die operative und konservative Maßnahmen verbinden. Prof. Dr. med. Christian Baues zeigte, wie moderne Radiotherapie durch präzisere Technik zunehmend auf die Bestrahlung von Lymphknoten verzichten kann.
Ein weiteres Highlight war die Vorstellung neuer Forschungsansätze und Fallbesprechungen. So präsentierte Martin Morand die IPK-Plus-Methode, die klassische intermittierende pneumatische Kompression mit Schaumstoffmodulen kombiniert. Prof. Dr. med. Manuel E. Cornely stellte die Ergebnisse der G-BA-
LipLeg-Studie vor und eröffnete neue Perspektiven für die Versorgung von Lipödem-Betroffenen.
Zum Abschluss wurden die Preisträger des Juzo Innovationspreises 2025, Charlotte Kemper und Dr. Epameinondas Gousopoulos, geehrt. Der 16. Bochumer Lymphtag ist bereits für den 30. Januar 2027 angekündigt.