Klare Worte von Alf Reuter: „Uns geht es nicht gut. Punkt.“ Der Präsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik, verwies auf die Umsatzrückgänge in den Bereichen Orthopädie- und Rehatechnik von rund -10 Prozent im letzten Jahr. Diesen Einbußen stünden gleichzeitig höhere Ausgaben unter anderem für Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegenüber. Die Betriebe könnten zudem einfacher mit einem kurzen, tiefen Einschnitt wie im letzten Jahr umgehen als mit den aktuell schleichenden Umsatzverlusten. Diese ließen sich mit dem Instrument der Kurzarbeit nicht abfedern. Reuter kritisierte außerdem ungeklärte Fragen rund um die diskutierte Pflicht für Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter auf Corona zu testen: Wie sei mit geimpften Mitarbeitern vorzugehen? Was ist mit denen, die Corona hinter sich haben?
Andreas Brandhorst, Referatsleiter im Bundesgesundheitsministerium und dort unter anderem für die Hilfsmittelversorgung zuständig, sah die Situation weniger dramatisch. Laut Brandhorst habe sich die Sanitätshausbranche in der Pandemie „recht stabil“ gezeigt. Die Orthopädietechnik habe ein leichtes Minus von 1,5 Prozent verzeichnet, die Rehatechnik von -2,9 Prozent. Die wirtschaftliche Situation könne in den einzelnen Betrieben und bei Berücksichtigung der Kosten zwar anders aussehen. Ein Schutzschirm sei angesichts der Zahlen sowie der Unterschiedlichkeit der Betriebe aber nicht erforderlich gewesen.
Carla Meyerhoff-Grienberger, Referatsleiterin beim Spitzenverband Bund der gesetzlichen Krankenkassen, Fachgebiet Hilfsmittelversorgung, verwies in ihrem Eingangsstatement auf die grundsätzlich funktionierende Selbstverwaltung. „Die Vertragspartner versuchen miteinander zu sprechen. Es gibt viele gute Verträge.“ Ein „Reizthema“ ist für sie der Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes. Sie bedauerte, dass die Gründe für Mehrkosten nicht bekanntgegeben werden müssten. Darunter leide die Interpretation der Zahlen.
PSA-Finanzierung: „Keine Lösung“
Die Leistungserbringer können zwar mit den Krankenkassen über die Finanzierung der PSA-Kosten verhandeln. „Aber eine wirkliche Lösung haben wir nicht“, stellte Dr. Axel Friehoff (Egroh) fest und regte eine zentrale Regelung über den GKV-Spitzenverband an. Meyerhoff-Grienberger betonte jedoch, das der GKV-Spitzenverband kein gesetzliche Legitimation bzw. kein Verhandlungsmandat dafür habe.
Überhaupt nahm das Vertragsrecht einen breiten Raum in der Diskussion ein. Dabei wurde u.a. die Idee von Verbands- bzw. „Leitverträgen“ ins Spiel gebracht. Angesichts der Kapazitäten, die das Vertragsgeschäft bei den Leistungerbringern und Verbänden in Anspruch nehme, wurde Alf Reuter schließlich sogar grundsätzlich: „Ist der Weg der Vertragsfreiheit der richtige Weg?“
Ein ausführlicher Bericht über die Veranstaltung folgt in der kommenden Ausgabe von GesundheitsProfi.
Mehr zu „Wir versorgen Deutschland“
Im Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ sind zusammengeschlossen sind der
Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik sowie die Leistungserbringergemeinschaften Egroh, Reha-Service-Ring, Rehavital und Sanitätshaus Aktuell AG.