Die elf AOKs konnten in den beiden Jahren Schäden in Höhe von 42,8 Mio. Euro, die durch Fehlverhalten im Gesundheitswesen verursacht worden waren, erfolgreich zurückfordern. Das teilte der AOK-Bundesverband mit. Damit ist die Höhe der gesicherten Forderungen im Vergleich zum letzten Bericht für die Jahre 2020 und 2021 um 21 Prozent gestiegen.
Laut Fehlverhaltens-Bericht erhielt die AOK-Gemeinschaft knapp 11.000 Hinweise auf Abrechnungsbetrug, Bestechung, Fälschung von Unterlagen oder Missbrauch von Gesundheitskarten. Etwa 60 Prozent dieser Hinweise kamen von externen Hinweisgebern. Insgesamt wurden von den zuständigen Stellen bei den elf AOKs knapp 14.000 Fälle verfolgt, von denen etwa 55 Prozent neue Fälle und 45 Prozent Bestandsfälle waren. Knapp 7.500 Fälle konnten im Berichtszeitraum abgeschlossen werden, 1.100 Fälle wurden zur weiteren Strafverfolgung an die zuständigen Staatsanwaltschaften gemeldet.
„Die AOKs und die anderen gesetzlichen Krankenkassen sind immer erfolgreicher bei der Bekämpfung des Fehlverhaltens. So holen sie unrechtmäßig erlangte Beitragsmittel wieder für die Versicherten und ihre Arbeitgebenden zurück“, kommentiert Knut Lambertin, alternierender Aufsichtsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes für die Versichertenseite, die aktuellen Zahlen. Zwar gelinge es – zum Beispiel wegen Insolvenzen der Schuldner – nicht in jedem Falle, die Forderungen durchzusetzen. In den vergangenen zwanzig Jahren seit Einführung der gesetzlichen Verpflichtung der Krankenkassen zur aktiven Verfolgung von Fehlverhalten seien die erfolgreich zurückgeforderten Schadenssummen aber deutlich gestiegen. „Künftig wollen die Krankenkassen verstärkt auf technische Innovationen wie den Einsatz Künstlicher Intelligenz setzen, um Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und die betrügerischen Aktivitäten einiger weniger Akteure im Gesundheitswesen noch effektiver zu verfolgen“, sagt Susanne Wagenmann, Aufsichtsratsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes für die Arbeitgeberseite.
Blick auf Hilfsmittel
Für den Leistungsbereich Hilfsmittel weist der Bericht 668 Neufälle aus. Zum Vergleich: In der Pflege gab es 1.802 sowie in der Häuslichen Krankenpflege 970 Neufälle. „Insbesondere das breite mediale Echo in den letzten Monaten und Jahren hat den Fokus auf die Pflegebranche gelegt. Dies dürfte dazu beigetragen haben, dass Krankenkassen, Familienangehörige, aber auch Mitarbeitende der Leistungserbringer auf Unstimmigkeiten bei der Häuslichen Krankenpflege und Pflege stärker achten und darauf hingewiesen haben“, heißt es in dem Bericht.
Die Höhe der gesicherten Forderungen im Hilfsmittelbereich beläuft sich auf 1,77 Mio. Euro. Bei Arzneimittel konnte sich AOK-Gemeinschaft knapp 17 Mio. Euro sichern.