Welche Rolle spielen medizinische Hilfsmittel wie Bandagen in der Arthrose-Behandlung?
Thilo Hotfiel: Grundlegend können in der Arthrosebehandlung nicht-operative, bzw. konservative und operative Therapieverfahren unterscheiden werden. In der konservativen Therapie hat die orthopädische Hilfsmittelversorgung einen unerlässlichen Stellenwert. Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel weisen ein breites Spektrum auf und beinhalten Bandagen, gelenksübergreifende Orthesen, Unterschenkelorthesen (z.B. zur Entlastung des Kniegelenkes), Orthopädieschuhtechnische Maßnahmen bis hin zu Gehhilfen. Je nach Stadium und Lokalisation der Arthrose und Anwendungsziel können folgende Wirkmechanismen erreicht werden:
- Biomechanische Entlastung von Gelenksanteilen Schmerzlinderung
- Verbesserung von Funktion und Belastungsfähigkeit
- Komfort, “Sicherheit”, Mechanische Stabilisierung
- Kompression mit Stimulation von Muskulatur und Propriozeption
- Verlangsamung der Krankheitsprogression
Die Verwendung von orthopädischen Hilfsmitteln hat in der Arthrosebehandlung jedoch kein Alleinstellungsmerkmal, sondern sollte stets im Rahmen einer stadien- und ursachenbezogenen Therapie Anwendung finden.
Knöchel, Knie oder Schulter: „Funktionieren“ medizinische Hilfsmittel bei manchen Gelenken besser als bei anderen?
Ja durchaus. Nicht alle genannten Wirkmechanismen können für alle Gelenkorte erreicht werden. Orthesen und Bandagen entfalten ihre Wirkung über die gelenk- und segmentumgreifenden Weichteile und haben letztlich indirekten Einfluss auf die Vorgänge des Gelenkknorpels. Einige Gelenke liegen relativ „tief“ und komplex in unserem im Körper und sind über ihre umliegenden Weichteile (mechanische Interaktionsstellen) schwieriger zu erreichen. Sofern z.B. eine mechanische Druckentlastung eines von einer Arthrose betroffenen Gelenkes erreicht werden soll, müssen zielgerichtete Kräfte auf die umliegende Haut/Unterhaut und letztlich hebelwirksame Knochenstrukturen des Gelenkes ausgeübt werden. Die Orthesen müssen hierfür passgenau und präzise anliegen. Am Kniegelenk kann dieses Prinzip sehr gut umgesetzt werden, und viele wissenschaftliche Studien konnten eine druckreduzierende und letztlich entlastende Wirkung belegen. An anderen Gelenken (z.B. Hüftgelenk) können diese Effekte nicht erfüllt werden. Stattdessen können an diesen Stellen andere, indirekte Wirkmechanismen erzielt werden. Die Verwendung des richtigen Hilfsmittels muss somit nicht nur an die beabsichtigte Wirkung, sondern auch an die Lokalisation angepasst werden.
Machen medizinische Hilfsmittel präventiv Sinn?
Diese Frage lässt sich leider nicht stellvertretend für alle Lokalisationen beantworten. Die Ursachen der Arthrose sind bekanntlich vielfältig, und auch die zu erwartenden Wirkungsmechanismen der Hilfsmittel sind heterogen. Am Beispiel des Sprunggelenkes ist ein großer Anteil der Arthrosefälle auf eine Instabilität zurückzuführen. Es ist belegt, dass die Verwendung von Sprunggelenksorthesen das Risiko von Umknickereignissen signifikant reduzieren kann. Hier kann begründet werden, dass die Verwendung von Orthesen bei Risikosportarten durchaus Sinn macht und ein Gelenk vor einem Arthroseprozess geschützt werden kann. Es können Primär-Verletzungen und auch Folgeschädigungen gemindert werden. Spielt z.B. eine ungleiche Belastung eines Gelenkes für die individuelle Arthroseerkrankung eine Rolle, so kann auch hier bei richtiger Lokalisation und angepasster Orthese (z.B. Kniegelenk) ein positiver Effekt auf die Krankheitsentwicklung erzielt werden. Die individuellen Motive und Indikationen zur Verwendung von Hilfsmitteln bei Arthrose sind äußerst vielseitig. Sporttreibende erhoffen sich, die Sportausübung aufrecht zu erhalten, bestehende Beschwerdemuster oder Schmerzen zu lindern oder dessen Auftreten während des Sports vermeiden zu können. Andere Motive sind in der genannten Prävention von Verletzungen oder Sekundärschädigungen begründet. Ungeachtet aus welchem Grund Sporttreibende auf o.g. Hilfsmittel zurückgreifen, sollte die Verwendung stets zielgerichtet, und im Idealfall aus medizinischen, sportphysiologischen oder sportbiomechanischen Überlegungen indiziert sein. Grundlegend sollten Orthesen nicht in Eigenregie indiziert werden.