"Wir können nicht mit Qualität punkten, sondern nur mit dem Preis", begründete Herbert Rebscher, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, im Rahmen einer Podiumsdiskussion, warum seine Krankenkasse die Versorgung mit Standard-Rehahilfsmitteln ausgeschrieben hat. Als die DAK vor einigen Jahren einen Zusatzbeitrag von 8 Euro erhoben hatte, hätten 700.000 Versicherte vorwiegend im Alter zwischen 20 und 40 Jahren die Kasse verlassen. Und allein mit 70jährigen sei die Kasse "nicht überlebensfähig."
Die DAK sei die Kasse mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Hilfsmittel. Daher müssten verstärkt günstigere Angebote aufgenommen werden. Unumwunden gab Rebscher zu: "Die Qualität bleibt dabei ein Stück weit auf der Strecke." Allerdings seien die Leistungen der GKV im Hilfsmittelbereich generell auf einem hohen Niveau und lägen über dem der PKV. Diesen "extrem guten Hilfsmittelkatalog" wolle man aufrechterhalten.
Bauerfeind-Branchenforum: Kritik an DAK
Matthias Bauche, Vizepräsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik, kritisierte die Vorgehensweise der DAK. "Der Patient wird auf der Strecke bleiben. Die Beratung vor Ort wird fehlen." Ausschreibungen führten zu Marktverwerfungen und Folgekosten.
Doch Strukturveränderungen gehören für Rebscher zum normalen Wirtschaftsleben dazu. "Es gibt Verlierer und Gewinner." Darauf müsse sich die Branche einstellen. Rebscher forderte die Definition von Qualitätskriterien und einen wissenschaftlichen, "nicht gefühlsmäßigen" Nutzennachweis einer Versorgung. Dann könne er höhere Preise für eine bessere Qualität gegenüber dem Kartellamt rechtfertigen."
Die Versorgungsqualität nach einer Ausschreibung wird nie überprüft", konterte Bauche. Nach den Inkontinenz-Ausschreibungen hätten sich die Betriebe zudem auf die neue Situation eingestellt – und Mitarbeiter entlassen. Mit den gewünschten Evaluierungen sei man vielleicht in zehn Jahren fertig. "Aber dann gibt es uns nicht mehr." Daher konfrontierte er Rebscher mit einer Alternative zu Ausschreibungen: "Was hindert Sie daran, einen Festzuschuss zu vereinbaren?" Rebschers Antwort: "Ich bin dazu gehalten, keine Verträge zu lasten der Versicherten zu machen und Preisdelta auszureizen." Die DAK sei die letzte Kasse, die eine Ausschreibung durchführt. "Und das werde ich nicht noch einmal sein."
Seinen Versicherten garantiert Rebscher auch in zehn Jahren eine gute Versorgungsqualität bei Hilfsmitteln. Ohne eine europäische Ausschreibung werde in Zukunft allerdings keine Kasse mehr einen Kuli einkaufen. "Gewöhnen Sie sich daran." Als Sanitätsfachhändler würde er sich in "Ketten" zusammenschließen, um unabhängig von der Preisgestaltung der Hersteller agieren zu können.
Über das Bauerfeind-Branchenforum berichtet GP ausführlich in der Dezember-Ausgabe.