GP: Mit welchen Kunststoffen arbeitet Bauerfeind in der FGF-3D-Drucktechnologie, und wie steht es um die Recyclingfähigkeit der verwendeten Materialien?
Ludwig: Wir drucken mit thermoplastischem Polyurethan (TPU), das mit Additiven versehen ist. In Form von Pellets eignet sich das Material ideal zum Drucken von Einlagenrohlingen mit guter Elastizität und Flexibilität. Es hat das Potenzial, recycelbar zu sein, da es wie herkömmlicher Kunststoff wieder eingeschmolzen und erneut verwendet werden kann. Seine hohe Schichthaftung sorgt für eine hervorragende Haftkraft und Widerstandsfähigkeit. Die Flexibilität des Materials ermöglicht, dass es sich an verschiedene Formen und Bedingungen anpasst. Die Pellets sind bei uns in sechs Farben und vier Shore-Härten erhältlich.
GP: Wie lange dauert die Fertigung eines Einlagenrohlings im 3D-Druck-Verfahren im Vergleich zur Frästechnik?
Hepper: Die reine Produktionszeit ist bei der Frästechnik zwar etwas kürzer, allerdings erfordert der gesamte Prozess deutlich mehr Vor- und Nacharbeit: Beim Fräsen muss das Material erst ausgestanzt und die Maschine bestückt werden. Nach dem Fräsen werden die Rohlinge entnommen, mit Druckluft gereinigt und beschliffen. Zusätzlich muss die Fräsmaschine entstaubt werden. Beim 3D-Druck dagegen genügt es, den Druck zu starten und die fertigen Rohlinge zu entnehmen. Der Druckkopf des 3D-Druckers reinigt sich nach jedem Druck selbstständig. Eine kleine Menge Restmaterial sammelt sich in den Auffangbehältern, mehr Abfall entsteht nicht. Der Materialeinsatz ist sehr effizient, und das Restmaterial recycelbar. Der Abfall ist hier ein wichtiger Punkt: Beim Fräsen entsteht rund 100-mal mehr Abfall: Etwa 500 g bei einem Paar Fräseinlagen gegenüber nur etwa 5 g beim 3D-Druck. Deutlich weniger Abfälle reduzieren auch die Entsorgungs- und Materialkosten für den Fachhändler, wenn er zuvor inhouse gefräst hat.
GP: Welche Möglichkeiten haben Fachhändler, eigene Muster oder Designs in die Fertigung zu integrieren – ist eine Individualisierung über die Pre-Designs hinaus vorgesehen?
Ludwig: Unsere therapeutischen Pre-Designs dienen als Grundlage, die der Fachhändler immer individuell an den Fuß anpasst – etwa durch das Positionieren oder Anpassen der Pelotte, der Brandsohle oder das Einfügen von Intarsien. Mit dem 3D-Druck lassen sich zusätzlich unterschiedliche Strukturen und Shorehärten zonenweise integrieren, was die Versorgung weiter individualisiert. Dabei lassen sich bis zu drei verschiedene Materialien mit beliebigen Shorehärten in einer Einlage kombinieren. Selbst innerhalb einzelner Module sind unterschiedliche Shorehärten möglich. Fachhändler können zudem ihre hauseigene Kundenbibliothek mit selbst erstellten Pre-Designs anlegen. Möglichkeiten der Individualisierung bestehen außerdem darin, dass jede Einlage von unten mit Kundeninformationen, dem Namen des Fachgeschäfts etc. bedruckt werden kann. Ein Bezug mit dem eigenen Logo ist eine zusätzliche Option.
GP: Welche Support- und Wartungsleistungen umfasst das Mietmodell, und wie schnell erfolgt technischer Support bei Störungen?
Hepper: Die Fachhändler müssen mit uns keinen Servicevertrag abschließen. Der Service ist in den Mietkosten inklusive. Bei Problemen mit der Hardware kommt ein Servicetechniker vorbei. Muss der Drucker zur Reparatur, wird direkt ein Ersatzgerät aufgestellt. Es besteht zudem jederzeit die Option, die Produkte auch zentral bei Bauerfeind fertigen und liefern zu lassen. Mit der Installation des Druckers im Fachgeschäft erhalten die Anwender einen direkten, persönlichen Kontakt zu den Technikern, die bei Fragen sehr schnell reagieren können. Der Service läuft über die komplette Zeit der Gerätemiete. Die Fachhändler müssen sich nicht um die Wartung und Updates der Drucker kümmern, das übernimmt Bauerfeind.