Beim Fortbildungslehrgang „Digitale Fertigung“ der Bufa stand ein Tag lang die digitale Transformation im Mittelpunkt – mit Vorträgen, Live-Demonstrationen und praxisnahen Beispielen. Unter Leitung von Dr. Waleed Alrawashdeh, Leiter des Instituts für Messtechnik und Biomechanik, diskutierten Experten und Expertinnen aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen digitaler Prozesse in der Orthopädietechnik.
Kommunikation wird zum Erfolgsfaktor: Antonius Köster zeigte in seinem Einführungsvortrag, wie sich die digitale Fertigung in den letzten Jahrzenten verändert hat. Zudem betonte er, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gewerken heute deutlich reibungsloser funktioniert. Das erleichtert die Umsetzung digitaler Prozesse im Handwerk.
Smart Documentation mit KI: Jens Volkmer (Ottobock) stellte den modularen digitalen Versorgungsprozess von Ottobock vor, der Patienten und Patientinnen schneller zur Teilhabe verhelfen und gleichzeitig bei der Argumentation gegenüber Kostenträgern unterstützen kann. Volkmer betonte, dass in der von Ottobock vorgegebenen Prozesskette jederzeit mit eigenen Prozessteilen gearbeitet werden könne und das System somit modular aufgebaut sei.
Vernetzte Orthesenversorgung: Mit Mowa präsentierte Manuel Westervelt „das nächste Level der Orthesenversorgung“. Das erste vollvernetzte Orthesensystem des Herstellers ist nicht nur modular gestaltbar, sondern verfügt mit „Mowa Smart“ auch über ein eingebautes Patienten-Monitoring. Dieses verrät dem Versorger wertvolle Informationen zu Therapietreue und -wirkung. Die eigentliche Orthese wird dabei, wie in einem digitalen Baukasten anhand der Patientendaten moduliert.
Sensorik im Textil: Joris Pascal (FHNW) stellte ein intelligentes Textil mit integrierter Sensorik vor, dass Extremitäten präzise vermessen kann – ein möglicher Gamechanger für die digitale Maßnahme.
Gesamtprozess in der Praxis: Steffen Matyssek (Sanitätshaus Häussler) demonstrierte einen vollständigen digitalen Workflow – inklusive Modellierung mit Freeform und praktischen Lösungen für komplexe Positionierungen.
Fitflow für mehr Vielfalt: Julien Halemba (Qwadra) stellte mit Fitflow ein flexibles Versorgungssystem für obere Extremitäten vor. Es bleibt wahlweise vollständig digital oder halbdigital – das Wissen bleibt im Betrieb.
3D-Druck in der Armprothetik: Lena Köhler (Schubert Braun Prothesen) zeigte die Bandbreite additiver Fertigung für die oberen Extremitäten – von elektrischen Armen bis hin zu Babyhänden. Der 3D-Druck eröffnet neue Möglichkeiten der Individualversorgung.
Patientenspezifische Lösungen: Andreas Flamm (Streifeneder) präsentierte 3D-Druck-Anwendungen bei Thoraxdeformitäten und kraniellen Sturzschutz – passgenau und patientennah entwickelt.
Neue Scantechnologien: Den Abschluss bildete die Präsentationen von Antonius Köster und Thorsten Horn, die ein Update zu den neuesten Scannern gaben. Diese sind inzwischen auch für kleine Häuser erschwinglich – leistungsfähige Geräte sind heute bereits unter 5000 Euro erhältlich.
Digitalisierung bleibt Teamsache
Der Fortbildungslehrgang machte deutlich: Die digitale Fertigung ist kein Selbstläufer, sondern erfordert das Zusammenspiel von Technik, Handwerk und Kommunikation. Ob smarte Orthesen, KI-gestützte Dokumentation oder 3D-gedruckte Versorgungen – der Wandel ist in vollem Gange. Die Veranstaltung in Dortmund zeigte, dass die Orthopädietechnik bereit ist, neue Wege zu gehen – mit einem klaren Fokus auf modulare, skalierbare und patientenzentrierte Lösungen.