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Digitalisierung

BfArM nimmt erste „Apps auf Rezept“ auf

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 6. Oktober die ersten „Apps auf Rezept“ in das neue Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) aufgenommen.

Im DiGA-Verzeichnis werden digitale Gesundheitsanwendungen, so genannte Apps auf Rezept gelistet, zum Beispiel Apps oder browserbasierte Anwendungen, die als Medizinprodukt mit niedrigem Risiko CE-zertifiziert sind, vom BfArM im Fast-Track-Verfahren geprüft wurden und damit vom Arzt verschrieben oder bei entsprechender Diagnose direkt von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden können. Die „App auf Rezept“ wurde mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) eingeführt.

Als erste Anwendungen nahm das BfArM die App Kalmeda und die Webanwendung Velibra ins DiGA-Verzeichnis auf. Kalmeda soll Patienten mit chronischer Tinnitusbelastung eine leitlinienbasierte, verhaltenstherapeutische Therapie bieten. Velibra dient laut Anbieter der Unterstützung von Patienten mit Symptomen von bestimmten Angststörungen.

Aktuell befinden sich 21 Anwendungen beim BfArM in der Prüfung. Für weitere rund 75 Anwendungen führte das BfArM Beratungsgespräche mit den Herstellern, so dass kurzfristig weitere Anwendungen ins Verzeichnis kommen werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagt: „Die Wirkung dieser digitalen Hilfsmittel wird genau überprüft. Deswegen wächst diese Liste nur langsam auf. Trotzdem ist das DiGA-Verzeichnis eine Weltneuheit: Deutschland ist das erste Land, in dem es Apps auf Rezept gibt.“

GKV-Spibu warnt vor Hochpreisen

Digitale Gesundheitsanwendungen hätten „ein großes Potential für die Verbesserung der Versorgung“, kommentiert Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband, die Initiative. Ein großes Problem seien allerdings die gesetzlichen Finanzierungsregelungen. „Sobald das Bundesinstitut eine neue digitale Gesundheitsanwendung in das Verzeichnis aufgenommen hat, müssen die Krankenkassen ein Jahr lang jeden beliebigen Preis zahlen, den sich der Hersteller ausgedacht hat. Erst nach einem Jahr gilt dann das Ergebnis der Preisverhandlung, die der Hersteller mit dem GKV-Spitzenverband führen wird. Hier sehe ich die große Gefahr, dass aus den Portemonnaies der Beitragszahler ein Jahr lang mehr bezahlt werden muss, als eine neue App tatsächlich wert ist.“

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Tobias Kurtz / 06.10.2020 - 12:40 Uhr

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