70 Prozent der Menschen in Deutschland erkennen stellenweise Reformbedarf im Gesundheitswesen. Weitere 10 Prozent möchten sogar umfassende Reformen, während 20 Prozent keinerlei Änderungsbedarf sehen. Insgesamt ist die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem jedoch hoch: 46 Prozent sind vollkommen oder sehr zufrieden, 44 Prozent zufrieden und 10 Prozent weniger zufrieden oder unzufrieden. Das zeigt der aktuelle TK-Meinungspuls 2021, eine repräsentative Auftrag der Techniker Krankenkasse durch Forsa.
„Die Zahlen zeigen, dass die Mehrheit zwar sehr zufrieden ist, viele aber auch Handlungsbedarf sehen. Gleichzeitig sind die Menschen offen, in Sachen Gesundheit Neues auszuprobieren. Das sind gute Voraussetzungen für notwendige Veränderungen“, erklärte Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.
So befürwortet eine deutliche Mehrheit die Anfang Januar bundesweit gestartete elektronische Patientenakte (ePA): 83 Prozent halten sie für eine gute oder sehr gute Idee. Damit die Menschen voll von der ePA profitieren, ist es aus TK-Sicht zentral, dass möglichst viele Praxen und andere Einrichtungen schnell angeschlossen werden. Aber auch die Alltagstauglichkeit zählt. Baas: „Wenn für jedes Gesundheitsthema eine eigene App mit spezifischen Registrierungsverfahren nötig ist, stellen wir uns in Sachen Digitalisierung im Gesundheitswesen selbst ein Bein. Mit der ePA haben wir bereits eine gute Basis für sichere vernetzte Strukturen. Das muss die Politik bei anstehenden Entscheidungen zur Digitalisierung im Blick behalten.”
Auch den Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) stehen viele Menschen offen gegenüber: Zwar sind diese erst 16 Prozent bekannt – jedoch halten im Schnitt 41 Prozent der Befragten die eigene Nutzung für wahrscheinlich. Bei den 18- bis 39-Jährigen gilt das sogar für eine Mehrheit von 55 Prozent.
In Sachen Digitalisierung hat die Mehrheit der Befragten nicht nur den individuellen Vorteil im Blick, sondern auch die Chance auf bessere Versorgung für alle: So sind drei Viertel (77 Prozent) der Befragten bereit, Gesundheits- und Fitnessdaten in anonymer Form für die medizinische Forschung bereitzustellen. 63 Prozent der Befragten würden diese Daten ihrer Krankenkasse zur Verfügung stellen, um neue Versorgungsangebote zu entwickeln. 23 Prozent würden die Daten an Wirtschaftsunternehmen geben, um dafür persönliche Vorteile zu erhalten.
„Die Diskussion, wie wir künftig anonymisierte Gesundheitsdaten im Sinne der Allgemeinheit nutzen können, werden wir in der kommenden Legislaturperiode führen müssen“, so Baas. Jüngst habe auch der zuständige Sachverständigenrat in einem Gutachten festgestellt, dass es „fahrlässig und ethisch bedenklich“ sei, Chancen durch verantwortlich und klug genutzte Daten für die Gesundheit nicht zu nutzen.