Die Marktauswirkungen der Corona-Pandemie und die Chancen durch digitale Produkte und Prozesse standen im Mittelpunkt des Außenwirtschaftstages 2021. Auf Einladung des Industrieverbandes Spectaris, des Auswärtigen Amtes und weiteren Partner kamen Stakeholder aus Politik und Wirtschaft in diesem Jahr rein digital zusammen, um unter anderem über die Herausforderungen beim Export von Medizintechnik zu diskutieren.
Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, betonte zur Eröffnung der Veranstaltung die Wichtigkeit eines gemeinsamen Handelns von Wirtschaft und Politik, um gestärkt aus der Pandemie hervorzugehen. Unternehmen müssten sich in Zukunft zusätzlichen Herausforderungen wie einem wachsenden Protektionismus, Reisebeschränkungen und anderen Barrieren stellen. Effizientere und resilientere Lieferketten seien das Gebot der Stunde. „Deutsche Gesundheitsprodukte sind wegen ihrer ausgezeichneten Qualität, ihrer Sicherheitsstandards und ihrer hohen Datensicherheit auf den Weltmärkten begehrt. Sie genießen das Vertrauen von Ärzteschaft und Patienten,“ betonte Annen.
Unter dem Motto „(Post-) Corona Weltspiegel: The new normal“ standen Zielländer wie Brasilien, China, Frankreich, Russland, USA sowie die Vereinigten Arabischen Emirate im Fokus der Diskussionsrunden. Dabei wurde klar: Auf dem Weg zurück zu einer „neuen Normalität“ im internationalen Wettbewerb braucht es Flexibilität und Mut zu Innovationen. Viele Staaten versuchten ihre Gesundheitssysteme auszubauen. Gleichzeitig herrsche Kostendruck. Hier müssten deutsche Hersteller wettbewerbsfähig bleiben.
Das rasante Wachstum des chinesischen Gesundheitssektors, z.B. mit dem Aufkommen privater Krankenversicherungen, bot Anlass zum Optimismus für deutsche Medizintechnikunternehmen. Doch Chinas Autarkie-Bestrebungen würden vermutlich den Bewegungsfreiraum kleinerer und mittlerer Unternehmen aus Europa, die keine Partnerschaften mit lokalen Unternehmen eingehen, langfristig einschränken.
In der Online-Session zu Chancen der deutschen Medizintechnik in Frankreich wurden die staatlichen Investitionsmaßnahmen im französischen Gesundheitsmarkt gelobt, es wurde jedoch zu mehr Effizienz im Beschaffungswesen aufgerufen, um besser auf zukünftige Pandemien vorbereitet zu sein. Das USA-Forum beantwortete die Frage, ob der US-amerikanische Gesundheitsmarkt noch immer für deutsche Unternehmen essentiell sei, mit einem klaren „Ja“.
Trotz überwiegend positivem Stimmungsbild aus den jeweiligen Zielmärkten: Eine Befürchtung dämpft die Aussichten: Im Zuge einer sich dem Ende neigenden Pandemie griffen viele Länder zu protektionistischen Maßnahmen. Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer bewertet solche Tendenzen als große wirtschaftspolitische Unsicherheit: „Es darf aus einer Corona-Krise nun keine Protektionismus-Krise werden. Unsere Schlüsselbranchen brauchen praxistaugliche, transparente und rechtssichere Vorgaben im Bereich Trade compliance, Zoll, Exportkontrolle und vor allem gezielte Exportfördermaßnahmen. Eine einschränkende Außenpolitik unter Anwendung von Strafzöllen wirkt dem aktiv entgegen, erschwert die Planbarkeit und muss aufhören.“
Die Handelskonflikte zwischen den USA und China, aber auch der Brexit zeigzen, dass die exportstarken Branchen der Gesundheitswirtschaft von der politischen Großwetterlage besonders betroffen sind.