Auf der OTWorld in Leipzig hat Lohmann & Rauscher (L&R) den Fokus auf eine neue Serviceleistung gelegt. Ziel ist es, die Prozesse in der Notfallversorgung zu vereinfachen. Im Gespräch mit GP erläutert Anja Wichmann, die als Head of National Sales Management / Medical Supply für L&R das Sanitätshausgeschäft verantwortet, die Hintergründe und Details des Konzepts.
GP: Frau Wichmann, L&R hat auf der OTWorld ein Notfalldepot-Servicekonzept vorgestellt. Was ist die Idee dahinter?
Anja Wichmann: Wir nehmen wahr, dass der Druck zur Prozessoptimierung in den Sanitätshäusern enorm hoch ist. Das hat zwei wesentliche Gründe: Zum einen steigen die Kosten, beispielsweise in der Logistik, kontinuierlich an. Zum anderen herrscht auch im Sanitätshaus ein spürbarer Fachkräftemangel. Die personellen Kapazitäten sind beschränkt. Viele Häuser überlegen daher, wie sie Abläufe verschlanken können, um Kosten zu sparen und gleichzeitig Personal für die direkte Kundenberatung einsetzen zu können.
GP: Wie läuft die Belieferung von Notfalldepots in Praxen oder Kliniken heute ab?
Wichmann: Bisher muss das Sanitätshaus die in der Notfallambulanz abgegebenen Bandagen und Orthesen regelmäßig wieder auffüllen. Das bedeutet konkret: Der Mitarbeiter muss die Ware zunächst bestellen, dann ins Krankenhaus oder die Arztpraxis fahren und dort vor Ort die Bestände kontrollieren und die Regale wieder auffüllen. Das bindet nicht nur Personal, sondern verursacht auch logistischen Aufwand. Genau diesen Prozess wollen wir für das Sanitätshaus deutlich einfacher gestalten.
GP: Und wie sieht Ihre Lösung dafür aus?
Wichmann: Das Kernstück unseres Konzepts ist eine IT-Lösung, die auf einem einfachen Scan-System basiert. Die Produkte für die Notfallversorgung werden vor Ort in der Ambulanz gelagert. Wird ein Produkt entnommen, scannt das Praxis- oder Klinikpersonal bereitgestellte Codes. Dadurch wird automatisch eine Meldung an ein webbasiertes Portal übermittelt.
GP: Ist dieses System auf Produkte von L&R beschränkt?
Wichmann: Nein, und das ist ein ganz entscheidender Punkt. Es ist ein offenes System. Das Sanitätshaus kann damit eine Mehrlieferantenstrategie fahren. Wichtige Artikel in Notfallambulanzen sind zum Beispiel Unterarmgehhilfen, die wir selbst nicht im Sortiment haben. Wir können aber problemlos auch für diese Produkte einen Code generieren und sie in das System integrieren. Wir möchten das Leben unserer Kunden leichter machen und dazu gehört diese Flexibilität. Die primäre Absicht ist, eine übergreifende Serviceleistung anzubieten.
GP: Wie kam es zu dieser Idee?
Wichmann: Dieser Schritt ist die logische Folge aus dem Aufbau unseres eigenen Key Account Management-Teams für den Sanitätsfachhandel, mit dem wir vor gut anderthalb Jahren gestartet sind. Wir sind mit einer engagierten Mannschaft draußen bei den Kunden und machen uns strategische Gedanken, die über das reine Produkt hinausgehen. Die Anforderung für dieses Konzept ist direkt aus gemeinsamen Gesprächen mit unseren Kunden entstanden. Sowohl mit einzelnen Sanitätshäusern als auch mit Verbünden haben wir auf diese prozessualen Herausforderungen reagiert und diese Idee erarbeitet. Da wir ein solches Scan-System bereits seit Jahren erfolgreich in anderen Bereichen von L&R einsetzen, konnten wir auf einer bewährten und praxiserfahrenen Lösung aufbauen.
GP: Bieten Sie über die Logistikoptimierung Unterstützung?
Wichmann: Ja, das Konzept hat mehrere Bausteine. Wir können dem Sanitätshaus auch bei der Erweiterung seines Netzwerks helfen. Da wir über unseren Klinik-Außendienst sehr gute Kontakte in die Krankenhäuser haben, können wir Türen öffnen und gemeinsam mit dem Sanitätshaus bei Kliniken vorstellig werden, wo es heute vielleicht noch nicht präsent ist. Ein weiterer Aspekt ist die Wirtschaftlichkeit – wir sehen uns hier als Partner, der das Geschäft des Sanitätshauses aktiv mitentwickeln möchte.
GP: Wie kann das Ambulanzpersonal unterstützt werden?
Wichmann: Im hektischen Alltag einer Ambulanz muss es schnell gehen. Um die Orientierung zu erleichtern, haben wir ein Farbcodierungssystem entwickelt. So sieht das Personal auf den ersten Blick, wo es die benötigten Produkte findet. Es ist ein Rundum-Konzept, das eine Win-win-Situation für die Anwender in der Ambulanz und das Sanitätshaus schafft.
GP: Wie haben Sie das Konzept auf der OTWorld präsentiert?
Wichmann: Wir haben einen Teil unseres Standes wie eine Notfallambulanz aufgebaut. Dort konnten die Besucher den Bestellprozess live erleben und das System selbst ausprobieren. Zusätzlich wird es eine Microsite geben, auf der Interessenten direkt einen Beratungstermin mit unserem Team vereinbaren können.