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Krankenhaus Rating Report 2019

Deutschen Krankenhäusern geht es schlechter

Die wirtschaftliche Lage deutscher Krankenhäuser war im Jahr 2017 schlechter als im Vorjahr. Dies geht aus dem aktuellen „Krankenhaus Rating Report“ hervor.

12 Prozent der Krankenhäuser lagen laut Krankenhaus Rating Report im „roten Bereich“ mit erhöhter Insolvenzgefahr (Vorjahr: 7 Prozent). Auch ihre Ertragslage hat sich verschlechtert, wohl auch aufgrund der erstmals gesunkenen Anzahl stationärer Fälle (-0,5 Prozent). Gründe hierfür seien wohl u.a. die zunehmende Ambulantisierung, der Personalmangel, ein bereits hoher Sättigungsgrad bei u.a. kardiologischen und orthopädischen Leistungen und intensivere MDK-Prüfungen. Es sei daher an der Zeit, statt der bestehenden ambulanten und stationären Vergütungssysteme ganzheitliche Vergütungsmodelle anzustreben. Der Weg in die Selbstkostendeckung sei ein Irrweg. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die fünfzehnte Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“, der im Rahmen des „Hauptstadtkongress 2019 – Medizin und Gesundheit“ in Berlin vorgestellt wurde. Er wurde gemeinsam vom RWI, der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit Deloitte und der HIMSS erstellt.

Krankenhaus Rating Report: weitere Ergebnisse

Große Krankenhäuser haben typischerweise ein besseres Rating als kleine, auch ein hoher Grad an Spezialisierung beeinflusst das Rating positiv. Kliniken in freigemeinnütziger und privater Trägerschaft schneiden besser ab als öffentlich-rechtliche Kliniken.

Die Krankenhausstrukturen sind nach wie vor in vielen Regionen ungünstig, insbesondere durch hohe Standortdichte, viele kleine Einheiten und eine geringe Spezialisierung. Am schlechtesten fällt das Rating in Niedersachsen/Bremen, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg aus, signifikant besser in Ost-Deutschland.

Bei Fortschreibung des Status quo ist bis zum Jahr 2030 eine Nachfrage nach Fachkräften im Gesundheits- und Sozialwesen in Höhe von 4,9 Millionen Vollkräften zu erwarten. Dem stünde ein Arbeitsangebot von 3,6 Millionen Vollkräften gegenüber. Um diese Diskrepanz zu schließen, sollte u.a. die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen gedämpft und die hohe Teilzeitquote im Gesundheits- und Sozialwesen sowie die steigende Zahl an Frühverrentungen in der Gesamtwirtschaft reduziert werden. Darüber hinaus muss der Pflegeberuf attraktiver werden. Dazu müssen die Pflegeprofession mehr Verantwortung bekommen und die Pflegenden mit erweiterten Kompetenzen ausgestattet werden. Langfristig sollten außerdem moderne Technik wie Robotikassistenz und künstliche Intelligenz das Personal im Gesundheitswesen entlasten. Zudem könnte der Fachkräftemangel durch qualifizierte Zuwanderung gemindert werden.

Projektion

Die Ambulantisierung der Medizin dürfte sich beschleunigen. Kurz- und mittelfristig ist kein großes Wachstum der stationären Fallzahl zu erwarten. Langfristig dürfte sie aufgrund der demografischen Entwicklung trotzdem weiter zunehmen, bis zum Jahr 2025 um etwa 5 Prozent. Bei Fortschreibung des Status quo, einer weiterhin hohen Grundlohnrate und einem Wachstum der Löhne wie in der Vergangenheit würde der Anteil der Krankenhäuser im roten Rating-Bereich bis 2025 moderat auf 18 Prozent steigen. Geht man dagegen künftig von einem deutlich geringeren Wachstum der Fallzahlen aus, von einer sinkenden Grundlohnrate und von stark steigenden Löhnen, befänden sich 2025 40 Prozent der Krankenhäuser im roten Rating-Bereich. Würden in diesem Szenario eine Optimierung der Krankenhausstrukturen, Produktivitätsverbesserungen der Krankenhäuser – insbesondere im Zuge einer stärkeren Digitalisierung – und die Ambulantisierung der Medizin vorangetrieben, könnten 2025 demgegenüber nur 21 Prozent der Kliniken im roten Rating-Bereich liegen.

Eine der zentralen Reformbaustellen ist die Veränderung der Vergütungssysteme im Gesundheitswesen. Der jetzt eingeschlagene Weg in die Selbstkostendeckung ist ein Irrweg. Ziel muss vielmehr sein, eine längst überfällige sektorenübergreifende Versorgung und eine stärkere Ambulantisierung der Medizin zu erreichen. Hierzu könnten in so genannten Capitation-Modellen für definierte Regionen morbiditätsorientierte Regionalbudgets festgelegt werden, die mindestens die ambulante und stationäre Akutversorgung abdecken. Die Leistungserbringer der Region entscheiden dann eigenständig darüber, wie sie das Regionalbudget einsetzen. Die Bevölkerung kann Leistungserbringer anderer Regionen aufsuchen, falls sie mit der lokalen Versorgung unzufrieden ist.

Zudem gilt es, die unternehmerischen Handlungsfreiheiten auszuweiten und die Innovationsoffenheit im Gesundheitswesen zu stärken. Statt zunehmender Regulierung könnte beispielsweise durch Capitationmodelle die Verantwortung für die Gesundheitsversorgung auf lokale Akteure übertragen werden. Krankenhäuser würden sich so hin zu Gesundheitsunternehmen entwickeln, die die Gesamtverantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung in ihren Regionen übernehmen.

Datengrundlage des „Krankenhaus Rating Report 2019“ sind 466 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern aus dem Jahr 2016 und 84 aus dem Jahr 2017. Sie umfassen insgesamt 877 Krankenhäuser mit einem am Umsatz gemessenen Marktanteil von 70 Prozent.

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Tobias Kurtz / 22.05.2019 - 11:20 Uhr

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