Die DGIHV wurde im Januar 2017 gegründet und versteht sich nach eigenen Angaben als Ansprechpartner für alle medizinischen und technischen Fragestellungen in der Technischen Orthopädie sowie der Hilfsmittelversorgung der Patienten. "Den Unterschied macht das ,i’", erläuterte Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Volker Bühren. Die Interprofessionalität verdeutliche die Komplexität der Versorgung von Patienten mit Hilfsmitteln. "Es gibt viele Deutsche Gesellschaften, die sich mit Hilfsmittelversorgung beschäftigen. Die DGIHV aber bringt die nötige Expertise zusammen und macht diese Deutsche Gesellschaft so besonders."
Klaus-Jürgen Lotz, Vorsitzender der DGIHV, stellte klar: "Wie lange lassen wir in Deutschland noch zu, dass Nicht-Fachleute über die Qualität von Versorgungsformen und -konzepte entscheiden. Wir sind die Fachleute, und es ist an uns, sich der Verantwortung zu stellen. Natürlich kann man meckern und problematisieren. Wir haben uns entschieden, das nicht zu tun, sondern mit allen Professionen zusammen für die Qualität der Versorgung wirksam einzutreten: Unser Knowhow über die Versorgung zusammenzuführen, gemeinsam zu kommunizieren und sich praktisch für die Umsetzung einzusetzen. Das macht die DGIHV als neutrale und interprofessionelle Gesellschaft aus."
Qualitätsstandard für prothetische Versorgung der unteren Extremität
Mit der Vorstellung des ersten Qualitätsstandards für die prothetische Versorgung der unteren Extremität legte die als gemeinnütziger Verein organisierte Gesellschaft beispielhaft dar, wie sie neue Ansätze in die Realität der Versorgung einbringen will. Jedes Jahr werden mehr als 40.000 Patienten amputiert und erhalten eine prothetische Versorgung. Bis heute gibt es nach Aussage der Autoren des neuen Qualitätsstandards für diese Versorgung in Deutschland keinen definierten und praktisch relevanten Standard der Versorgung. Das vorgestellte Werk soll diese Lücke schließen.
PD Dr. med. Lutz Brückner, ehemaliger Chefarzt der Moritz-Klinik Bad Klosterlausnitz, und Orthopädietechnikmeister Olaf Gawron stellten den ersten "Qualitätsstandard für die prothetische Versorgung der unteren Extremität" vor. Brückner gilt als einer der wenigen Amputationsspezialisten in Deutschland. Bereits 1993 gründete er eine eigenständige Abteilung für die Rehabilitation von Amputierten und ihrer Prothesenversorgung. Olaf Gawron weist ebenfalls eine langjährige Expertise auf: Er verantwortet die prothetische Versorgung bei einem der größten Spezialisten für Orthopädie-Technik, der Firma Pohlig aus Traunstein. Beide gehören dem neunköpfigen Autorenteam aus namhaften Amputationschirurgen und Orthopädie-Technikern an, das den Qualitätsstandard in mehrjähriger Arbeit erstellte. Das Werk wird vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik ebenso empfohlen wie von der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO), der entsprechenden Fachsektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie (DGOOC) sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).
"Die interdisziplinäre Begleitung und Abstimmung während des Versorgungsprozesses ist für das erfolgreiche Outcome unabdingbar – Versorgungspfade müssen bekannt und von Medizin und Technik gemeinsam gelebt werden", erläuterte Brückner und ergänzte: "Die Autoren haben zum ersten Mal Versorgungspfade zur Qualitätsdarstellung für die prothetische Versorgung der unteren Extremitäten kreiert. Dabei wird die Qualität der dynamischen Realität einer Versorgung angepasst. Die Dynamik der Versorgung bestimmt die Passteilauswahl und sollte nicht nur für Ärzte, Orthopädietechniker, Physiotherapeuten, sondern auch für die Kostenträger als Instrument zum Verständnis und zur Kontrolle einer qualitätsgerechten Versorgung dienen. Gawron stellte die im Qualitätsstandard niedergelegte Qualitätssicherung vor, die eine Dokumentation für alle an dem Rehabilitationsteam beteiligten Professionen transparent und lebbar umsetzt.
Politik fordert gebündelte Expertise
Dr. Roy Kühne MdB (CDU), Berichterstatter für Heil- und Hilfsmittelversorgung im Gesundheitsausschuss, referierte per Live-Schaltung über die Forderung der Politik an die Expertise von Verbänden. "Wir von der Politik brauchen die Expertise von interprofessionell besetzten Verbänden. Gerade in der Hilfsmittelversorgung kommt es auf den Gesamtprozess an, in dem alle Beteiligten nicht isoliert nebeneinander herlaufen. Daher fordern wir seitens der Politik auch eine abgestimmte Position der Verbände, wenn es um die Qualität der Versorgung geht." Außerdem ergänzte Kühne: "Bringen Sie Ihre Expertise ein und stellen Sie ihre Kompetenz durch Projekte im Gesundheitsfond unter Beweis. Er wurde von der Politik dafür ins Leben gerufen. Machen Sie mit uns die Überführung der Versorgungspfade in die Realität durch Modellprojekte und lassen Sie uns hier ein gemeinsames Vorgehen definieren."
DGIHV komplettiert Vorstand
Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde der Gesamtvorstand gewählt. Neu hinzu gewählt wurden Dr. Rolf Koschorrek, Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner, Prof. Dr. med. Bernd Kladny, Dr. Ernst Pohlen und René Schiller.
Geschäftsführender Vorstand:
- Klaus-Jürgen Lotz (Vorsitz, Präsident Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik BIV-OT),
- Prof. Dr. med. oec. Greitemann (stv. Vorsitz, Leiter der Klinik Münsterland am Reha-Klinikum Bad Rothenfelde und Vorsitzender der Vereinigung Technische Orthopädie VTO),
- Prof. Dr. med. Volker Bühren (Ärztlicher Direktor der BGU Murnau),
- Alf Reuter (Vize-Präsident BIV-OT)
Weitere Vorstandsmitglieder:
- Norbert Aumann (Ottobock),
- Matthias Bauche (BIV-OT),
- Werner Dierolf (ZVOS),
- Dr. Axel Friehoff (EGROH),
- Prof. Dr. med. Christoph Gutenbrunner (Deutsche Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation),
- Prof. Dr. med. Bernd Kladny (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie DGOU),
- Dr. Rolf Koschorrek (Vorsitzender der Gesundheitskommission der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU),
- Dr. Ernst Pohlen (Eurocom),
- René Schiller (Össur)