An zwei Tagen drehte sich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heidenheim alles um unterstützende Technik fürs Alter. In der Technik-Ausstellung konnten Interessierte unter Anleitung der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Lara Piechnik und Studierenden der Angewandten Gesundheits- und Pflegewissenschaften unterschiedliche Technologien wie Smartwatches, Minisender zum Tracking und VR-Brillen ausprobieren. Ein humanoider Roboter lud zum Ausblick in die Zukunft ein und interagierte mit den Besucher. Zu Besuch war auch der „Digital Health Truck“ der Koordinierungsstelle Telemedizin BW mit weiteren Technologien an Bord.
„Zusätzlich konnten die Studierenden durch die Gespräche ganz im Sinne eines Living-Labs wertvolle Erkenntnisse zur Akzeptanz einzelner Technologien sammeln“, freut sich Prof. Dr. Marcel Sailer. Der Prodekan Gesundheit ist selbst gelernter Krankenpfleger, leitet den Studiengang und forscht seit Jahren über Active Assisted Living (AAL).
Technik im Alter: Was wird akzeptiert?
„Niemand will pflegebedürftig sein. Wir wollen alle ein möglichst selbstbestimmtes Leben, auch im Alter“, stellte der Professor zu Beginn seines Vortrages fest. Doch vor allem Mobilität sei eine große Herausforderung, weil man im Alter bis zu 40 % der Muskelmasse verliere, was auch sehr häufig zu Stürzen führe. Gemeinsam mit seinem Team und mit Studierenden und Führungskräften aus Pflegeeinrichtungen bewertete Sailer verschiedene technische Alltagshelfer und stellte einige vor, darunter kleine Nachtlichter, um Stürze zu vermeiden, VR-Brillen zur Entspannung und Trackingsystem, um Schlüssel oder andere wichtige Gegenstände wiederzufinden. Zudem ging er auf die vielfältigen Möglichkeiten durch Smartwatches ein, durch die jeder eine Sturzerkennung und ein Notfallsystem dabeihabe, ohne stigmatisiert zu werden. Dabei war ihm besonders wichtig: „Es geht immer darum, wie eine gute, vollständige Versorgung stattfindet und wo die Technik unterstützen kann. Technik kann vieles, aber nicht den menschlichen Kontakt ersetzen.“ Deshalb stünden bei der AAL-Forschung die Nutzer im Fokus. „Wir wollen wissen, was Sie akzeptieren, befürworten oder was Sie ablehnen. Was hilft Ihnen, wo sind Sie skeptisch?“, fragte Professor Sailer zum Abschluss.
Den menschlichen Aspekt stellte auch Prof. Dr. Barbara Steiner in ihrem Vortrag „Neue Technologien und Digitalisierung als Herausforderung für Soziale Teilhabe aus sozialwissenschaftlicher Perspektive“ heraus. Vor allem alleinstehende Frauen ab 70 Jahren seien von der „technischen Exklusion“ bedroht. „Wir wissen, dass es viele ältere Menschen gibt, die keinen Zugang zu neuer Technik haben. Fast die Hälfte der 80- bis 85-Jährigen fühlen sich davon überfordert. Anderen fehlen wiederum die finanziellen Ressourcen, oder sie haben keine sozialen Kontakte wie Enkel oder Kinder, die sie in neue Techniken einführen“, erklärte Steiner. Abschließend stellte die Professorin verschiedene Lösungsansätze vor, mit welchen die digitale Exklusion von älteren und hilfsbedürftigen Menschen verhindert werden kann. „Wir müssen die Bildungsangebote und Beratung ausbauen, mehr Medienkompetenz schaffen und die Nutzung begleiten. Es ist ein Lernprozess“, so Steiner.