„Wir machen ständig Fehler“, erklärte Ralf Kemmer in Hamburg bei der ersten FuckUp-Night der Sanitätshausbranche am 9. Oktober in den Räumen des Sanitätshauses Stolle. Kemmer ist Professor für Marketing und Kommunikation an der SRH Universität in Berlin und Mitorganisator der FuckUp-Night-Veranstaltungen in der Hauptstadt. Er ist überzeugt: „Die Frage ist, wie wir mit Fehlern umgehen und diese reflektieren.“ Um eine funktionierende Fehlerkultur zu entwickeln, brauche es Geschäftsführer, „die sich ,nackt‘ machen und transparent sind“.
Diese Rolle übernahmen Detlef Möller, Geschäftsführer Sanitätshaus Stolle, Torsten Schuchmann vom gleichnamigen Kinderreha-Spezialisten und Tatjana Teinert, Geschäftsführerin des Homecare-Spezialisten Medilog Hamburg Teinert. Sie stellten ihre persönlichen Fehltritte vor – offen, ehrlich und auch mit einem gehörigen Schuss Selbstironie. Rund 60 Interessenten folgten gespannt ihren Ausführungen.
Alle drei Unternehmer leisteten einen wichtigen Beitrag für mehr Offenheit im Umgang mit Fehlern in der Branche. Diese wünschen sich nicht zuletzt Charly Schwarz von Provita Orthocare und Thomas Möller vom Sanitätshaus Stolle. Die beiden Sanitätsfachhändler hatten die Idee zu dieser Veranstaltung und setzten sie dann gemeinsam mit GesundheitsProfi um. Das Beratungsunternehmen M Assist unterstützte als Sponsor die Premiere.
Über Fehler sprechen
Die Kunst sei, über die eigenen Fehler zu sprechen und etwas daraus zu lernen, hob Thomas Möller in seiner Einführung hervor. Charly Schwarz ergänzte: „Wenn jemand etwas in den Sand gesetzt hat, gilt er bei uns als gescheitert. Das ist eigentlich eine traurige Kultur.“ Die Offenheit, über Fehler zu sprechen, fehle in der Sanitätshausbranche. „Das wollen wir gemeinsam auflockern.“
Warum das Sinn macht, erläuterte Ralf Kemmer. Der Kommunikationsfachmann warb dafür, sich das eigene Scheitern bewusst zu machen und darüber nachzudenken. Dann könnten die Umstände analysiert und dokumentiert werden. Die Konsequenz: „Team A muss nicht denselben Fehler wie Team B machen.“ Über diesen Prozess komme man zudem an einen Punkt, an dem Fehler und Risiken bewusst und gezielt in Kauf genommen würden. „Die Glanzseite der Fehler und des Scheiterns ist die Innovationsentwicklung, das Ausprobieren und Experimentieren“, führte Kemmer aus. Das sei angesichts des aktuellen Transformationsdrucks in der Wirtschaft notwendig.
Detlef Möller, Torsten Schuchmann und Tatjana Teinert haben ihre unternehmerischen Fehltritte reflektiert und unterschiedliche Konsequenzen gezogen. Dazu gehören folgende Gedanken:
- Unverzichtbarkeit eines professionelles Projektmanagement mit Controlling-Mechanismen, um Fehlentwicklungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
- Mitarbeiter mitnehmen und aktiv in Transformationsprozesse einbinden. Wie sehen z.B. „kurze Dienstwege“ aus, auf denen eine funktionierende Organisation bislang beruht?
- Welche Aufgaben sind Chefsache? Was kann delegiert werden?
- Schuster, bleib bei deinen Leisten. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber die Finger davon lassen und nicht blauäugig in ein Projekt reinstolpern.
Aufgrund des Erfolges ist eine Fortsetzung bereits geplant. Die nächste FuckUp-Night soll im Frühjahr 2026 in Berlin stattfinden. Weitere Informationen folgen.