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Corona-Krise

DIVI Intensivregister für freie Beatmungsplätze startet

Freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands sollen ab sofort über das DIVI Intensivregister einsehbar sein. Dafür ist der Schulterschluss sämtlicher Kliniken in Deutschland gefordert.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), das Robert Koch-Institut (RKI) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schalten am 18. März 2020 gemeinsam das DIVI Intensivregister frei. Unter www.divi.de/intensivregister sollen erstmals mehr als 1.000 Kliniken aus Deutschland zentral erfasst und öffentlich einsehbar sein. Über diese Website sollen freie Beatmungsplätze in allen Kliniken Deutschlands registriert und abgefragt werden können.

Die Beteiligten appellieren an alle Krankenhäuser zur Mitarbeit: „Das DIVI Intensivregister wurde in 14 Tagen programmiert. Es darf, muss und soll binnen 14 STUNDEN von 85 Kliniken auf 1.000 komplettiert werden.“

Der Hintergrund: „Die Möglichkeiten einer maschinellen Beatmung von COVID-19 Patienten hat sich in schwer betroffenen Ländern wie China und Italien als das Nadelöhr in der aktuellen Pandemiesituation gezeigt“, erklärt Professor Christian Karagiannidis, Sprecher der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ und Leiter des ECMO-Zentrums der Lungenklinik Köln-Merheim. „So haben wir zur Vernetzung der Krankenhäuser und ihrer Intensivstationen jetzt ein System entwickelt, um deutschlandweit die Kapazitäten auf den Intensivstationen tagesaktuell darzustellen.“

Über die Online-Plattform des DIVI Intensivregisters können Intensivmediziner aller Kliniken in Deutschland unkompliziert Kapazitäten abfragen. Das Register setzt darauf, dass alle Krankenhäuser tagesaktuell ihre Daten in einem geschlossenen Bereich der Datenbank selbstständig einpflegen, um auf dieser Basis eine regionale Koordination der intensivstationären Betten und damit eine optimale Versorgung der COVID-19-Patienten sicherzustellen. Entsprechend schreibt die DKG alle Klinikleiter an, um zu einer Zusammenarbeit aufzurufen. Dr. Gerald Gaß, Präsident der DKG, ist der Überzeugung: „Durch die neue Plattform werden wir die Versorgungssituation sicherlich verbessern können und hoffen, mögliche Engpässe zu verhindern.“

„Die weltweite Verbreitung des neuen Coronavirus stellt auch uns in Deutschland vor eine neue Herausforderung,“ sagt Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Institutes. „In den Krankenhäusern ist mit einem steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen zu rechnen. Deshalb ist es wichtig, dass die DIVI und die DKG unterstützt durch das RKI die Kapazitäten der Intensivbetten digital erfassen und so eine bessere Koordinierung ermöglichen. Ich bitte dringend alle Krankenhäuser, sich an dieser Aktion zu beteiligen. Sie wird helfen, Leben zu retten.“

Beatmungspflichtige Patienten unkompliziert Klinik zuweisen

„Es ist unser Ziel, in der aktuellen Situation vorhandene Beatmungskapazitäten effizient zu nutzen, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Abläufe in der Versorgung von Intensivpatienten insgesamt deutlich zu verbessern“, sagt Professor Steffen Weber-Carstens, Sprecher des deutschen ARDS-Netzwerks der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“ sowie Sprecher des ARDS-ECMO Centrums an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Wir müssen Betroffene deutschlandweit schneller und unkompliziert einer behandelnden Klinik zuweisen können.“
Im Zuge der H1N1-Pandemie im Jahr 2009 hatten DIVI-Experten bereits ein deutschlandweites Netzwerk aufgebaut, in dem Kliniken ihre Behandlungskapazitäten für Patienten mit akutem Lungenversagen, auf Englisch „Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS)“, tagesaktuell anzeigen konnten.

Bisher waren rund 85 Kliniken in diesem ARDS-Netzwerk miteinander verbunden. Diese Basis wurde jetzt als Grundlage für das neue DIVI Intensivregister genutzt. In fünf Minuten können sich neue Kliniken registrieren. „Auch die tagesaktuelle Eingabe der Daten dauert keine fünf Minuten“, weiß PD Dr. Mario Menk, ebenfalls am ARDS-ECMO Centrum an der Charité – Universitätsmedizin Berlin tätig. Er testete bereits am vergangenen Wochenende mit den Klinken des Basis-Netzwerks die Funktionalitäten der neuen Datenbank. Am späten Sonntagabend wurden noch Änderungswünsche von den Programmierern umgesetzt. „Generell lief der Testbetrieb am Wochenende aber wunderbar“, so Menk. Er gab damit heute das Startsignal für das DIVI Intensivregister.

Ampelsystem zeigt Kapazitäten

Ein einfaches Ampelsystem, angezeigt in Tabellenfunktion, soll die Abfrage von Kapazitäten intuitiv machen. Unterschieden wird zwischen freien Kapazitäten von low-care (geringer Betreuungsbedarf), high-care (schwer Kranke) und ECMO (für schwerstkranke Beatmungspatienten). Je nach Fragestellung stehen weitere Filterfunktionen zur Verfügung. „Ganz wichtig ist auch die Beratungsfunktion des Registers“, erklärt Menk. Kliniken mit viel Erfahrung in der Beatmung von Patienten sind zusätzlich gekennzeichnet. Die Idee dahinter: „Kollegen, die akute Fragestellungen haben, gerade aus den kleineren Kliniken, die seltener beatmungspflichtige Patienten behandeln, können jetzt mit wenigen Klicks sehen, an welche größere Klinik sie sich telefonisch wenden können.“ Telefonnummer und Ansprechpartner sind in einem zweiten Teil des Registers hinterlegt, für den sich die Kliniken aber erst einloggen müssen.

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Tobias Kurtz / 18.03.2020 - 09:29 Uhr

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