Lipödem ist eine weit verbreitete, aber oft missverstandene und unterschätzte Erkrankung, die das Leben von Millionen Menschen weltweit beeinflusst. Betroffen sind überwiegend Frauen, bei denen sich symmetrisch an Beinen und/oder Armen Unterhautfettgewebe unproportional vermehrt. Über das körperliche Leid hinaus kann auch die emotionale und psychische Belastung einschneidend für Betroffene sein. Tina Schwarz kennt diese Herausforderungen: Seit ihrer Jugend leidet sie an einem Lipödem und begleitet heute als Coach andere Lipödem-Patientinnen. Im Experten-Interview von Medi berichtet sie unter anderem von ihrer Liposuktion, zu der sie sich vor etwa zwei Jahren entschieden hat.
Wie ist der Eingriff verlaufen?
„Insgesamt waren es vier Operationen im Zeitraum von Januar 2023 bis April 2024. Erst Liposuktion an den Armen inklusiver chirurgischer Hautstraffung, dann die Rück- und Vorderseite meiner Beine und zuletzt kleinere Korrekturen. Der letzte Eingriff war notwendig, weil ich an den Armen und Beinen stellenweise noch Schmerzen hatte und ich mit dem Ergebnis nicht ganz glücklich war. Die Kosten habe ich selbst übernommen. Zusätzlich zur manuellen Lymphdrainage habe ich circa sechs bis acht Wochen nach den Operationen Tag und Nacht eine medizinische Kompressionsversorgung getragen. Diese hat die Schwellungen eingedämmt und die Zeit nach den Eingriffen optimal unterstützt.“
Waren die Operationen schmerzhaft?
„Bei der Liposuktion und Straffung der Arme habe ich kaum Schmerzmittel gebraucht, obwohl auch größere Hautlappen entfernt wurden. An den Beinen war es definitiv unangenehmer und beim Treppensteigen oder in die Hocke gehen dachte ich, meine Knie platzen aufgrund der Schwellungen. Ich habe erst rund ein dreiviertel Jahr nach dem letzten Eingriff das Gefühl, deutlich weniger Schmerzen zu haben. Nicht umsonst spricht man von einem Heilungsjahr – und die Zeit muss man sich und seinem Körper geben!“
Gab es Voraussetzungen, die Sie vor der Operation erfüllen mussten?
„Es macht auf jeden Fall Sinn je nach Ausgangsgewicht abzunehmen. Das senkt außerdem das Risiko von Komplikationen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, sich mit Ernährung, emotionalem Essen und alternativen Bewältigungsstrategien zu beschäftigen. Zudem sollten konservative Therapieansätze wie manuelle Lymphdrainage, medizinische Kompressionsstrümpfe und Bewegungstherapie komplett ausgeschöpft sein, heißt über einen längeren Zeitraum keine Verbesserung des Lipödems mehr bringen. Erst dann ist es sinnvoll, über eine Liposuktionsbehandlung nachdenken.“
Würden Sie anderen Lipödem-Betroffenen eine Fettabsaugung empfehlen?
„Eine Liposuktion ist nicht zu unterschätzen und sollte keine leichtfertige Entscheidung sein. Betroffenen sollte klar sein: Eine Liposuktion kann Beschwerden verringern, aber das Lipödem nicht heilen. Selbstmanagement und ein gesunder Lifestyle sind nach der Operation wichtiger als zuvor. Wir sind nach wie vor in der Verantwortung, Eigeninitiative zu zeigen und reflektiert unser Leben mit der Erkrankung zu gestalten. Für mich heißt das weiterhin konsequent medizinische Kompression an den Beinen zu tragen – lediglich meine medizinischen Kompressionsarmstrümpfe sind seit der Liposuktion der Arme nicht mehr notwendig.“